Über die Toten nur Gutes
Es fällt mir schwer. Als ich die Nachricht vom Tod des österreichischen Rechtsextremen Jörg Haider las, war ich nicht etwa betroffen, sondern erfreut. Nein, erfreut ist das falsche Wort, es hat mich eher etwas beruhigt. Zu oft habe ich schon seit Mitte der 90er Jahre gehofft, dass Haider als eine Galionsfigur der extremen Rechten in Europa endlich abtritt. Das hat er auch öfter mal getan, aber er kam immer wieder. Haider konnte weiterhin den Nationalsozialismus verharmlosen und sich mit gegelten Neonazis umgeben. Ob als Chef der FPÖ oder der BZÖ, stets war er der strahlende Retter des Volkes, immer mit mehr als fragwürdigen Argumenten und Umfeld.
Es heißt ja, dass über Tote nichts Schlechtes gesagt werden solle. Wieso eigentlich nicht? Waren Hitler, Stalin, Pol Pot plötzlich gute Menschen, nur weil sie gestorben sind? Waren Friedhelm Busse oder Michael Kühnen plötzlich gute Neonazis, weil sie in Walhalla eingefahren sind?
Ich finde es verlogen, wie die österreichischen Politiker und Medien auf einmal rumeiern, nur weil Haider sich selbst umgebracht hat. Alle sind »sehr betroffen«, auch die, die ihn noch am Tag vorher zum Teufel gewünscht haben. Dort dürfte er ja nun auch sein.
Es geht mir nicht um Schadenfreude, aber traurig oder gar betroffen bin ich ganz sicher nicht, nur weil ein führender Rechtsextremist mit 140 km/h in einer geschlossenen Ortschaft gegen eine Mauer gerast ist. Die Umstände seines Todes sprechen für sein Leben: Immer heftig nach vorne, ohne Rücksicht auf Verluste. Nur, dass es diesmal eben ihn selbst getroffen hat.
Von: Aro Kuhrt
(13. Oktober 2008)
Ähnliche Artikel:
- Keine ähnlichen Beiträge
Stichworte:
ÖsterreichKOMMENTARE:
Pinox
Es geschah in Berlin am 09.02. |












Kommentar gelöscht wegen persönlicher Diffamierungen und Angabe einer falschen E-Mail-Adresse.
…selbst der super Sponti , Herr Fischer hat seine Betroffenheit geäussert. Da springt einem doch das Messer in der Tasche auf.
das seh ich ganz genau so!
Angesichts des geistigen Zustandes unserer wirtschaftlichen und politischen »Elite«, würde es mich auch nicht überraschen wenn Michel Friedmann noch kondolierte. Zwei Promille und Überholspur sind offenbar Normalzustand dieser Herren und Damen.
Ich finde, hier dürfte es ruhig heißen: Über die Toten nur Zoten.
Ab sofort in Deutschland (und so) mehr Mut zur politischen Unkorrektheit. Wie es mit »Hurra Deutschland« einmal gelang. Lange ist’s her. Schade.