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  • Post macht ihrem Namen Ehre

    Die lateinische Vorsilbe »prae« heißt soviel wie »vor« oder »vorn«. Präfix bedeutet Vorsilbe, Prävention ist die Vorbeugung, Präferenz heißt »erste Wahl«. Das genaue Gegenteil liegt im Wörtchen »post«, es bezeichnet das, was danach kommt. So ist das Russland der Jahrhundertwende die postkommunistische Zeit, posthum bedeutet nachträglich. Und natürlich gibt es auch noch die Post.

    In Berlin hält sie sich zurzeit streng an ihren Namen. Denn anders als uns der Vorstand der Deutschen Post weismachen will, kommen Sendungen innerhalb der Stadt nicht unbedingt am nächsten Tag an. Im Gegenteil: Mittlerweile dauert es manchmal eine ganze Woche, bis ein Brief seinen Empfängerbriefkasten erreicht, zwei bis drei Tage muss man auf jeden Fall einplanen.
    Es gab mal Zeiten, da wurden Briefe sogar mehrmals am Tag ausgetragen. Irgendwann in den 70er Jahren wurde dann auf die Zustellung nur einmal am Tag umgestellt. Heute kann man sich freuen, wenn überhaupt täglich etwas ankommt. Massive Einsparungen haben dazu geführt, dass die Zustellbezirke jedes Jahr vergrößert werden, allerdings ohne es dass gleichzeitig mehr Postboten gibt. So hat der einzelne Zusteller genau zwei Möglichkeiten: Entweder er trägt immer nur einen Teil der Post aus und kommt somit nicht mehr jeden Tag zu jedem Haus. Oder er macht massig Überstunden, die jedoch weder bezahlt, noch durch Freizeit abgegolten werden, sie sind also kostenlose Arbeit. Darauf hat verständlicherweise kaum jemand Lust, also wird an der Anzahl der Straßen eingespart, die man täglich beliefert.
    Post ist das lateinische Wort für »nach«, unsere Briefe werden also nachträglich ausgeliefert. Wie schön, dass die Post ihrem Namen alle Ehre macht.


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    Von: Aro Kuhrt

    (30. Oktober 2008)

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