Noch ein Männer-TV
Als der Fernsehkanal XXP von Spiegel-TV im September 2006 zugunsten des Kanals DMAX eingestellt wurde, war das ein Verlust für die deutsche Fernsehlandschaft. DMAX ist laut und oberflächlich, eigentlich ein Fall für Reich-Ranicki, und es richtet sich explizit an Männer.
Am Wochenende ging nun ein zweiter Männersender in den Äther, bzw. genauer ins Kabel: Die Zielgruppe von TIMM sind ebenfalls Kerle, und zwar schwule. Während DMAX schwärmt »Männer, die besten Menschen der Welt« ist das Motto von TIMM »Wir lieben Männer«. Außer diesem kleinen Unterschied sind sich beide Fernsehsender erstaunlich ähnlich. Auch bei TIMM dominiert die »Unterhaltung«, was dort vor allem Trash bedeutet. Nach drei Stunden am Stück und währenddessen noch im Programm der nächsten Tage geblättert, habe ich den Eindruck, dass innerhalb der relativ kleinen Zielgruppe der Schwulen auch noch aussortiert wird: Das Programm richtet sich scheinbar an Szene-Schwule, für die ihre Sexualität das Maß aller Dinge ist. Bisher gibt es dazwischen nur wenige Lichtblicke, die das Thema nicht im Glitzer angehen. Eine Reportage über das Coming Out eines US-Bürgermeisters sowie die Probleme eines Kindes bei der Findung der eigenen geschlechtlichen Identität waren die anspruchsvollen Ausnahmen, beides hätte auch auf Arte laufen können. Leider sind auch die Lesben so gut wie gar nicht vertreten.
Trotz der Kritik denke ich, dass sich der kleine Spartensender noch zum Positiven entwickeln kann. Grund für den Optimismus habe ich, weil die TIMM-Macher zum Feedback aufrufen und im Internet dafür auch eine entsprechende Plattform bereitstellen. Dort kann man die Sendungen übrigens auch per Livestream sehen. Für einen Witz halte ich allerdings die Tatsache, dass man die Website nicht sehen kann, wenn man »nur« den Internet Explorer 6 nutzt, der gerade mal zwei Jahre alt ist. Offenbar sind die Programmierer nicht in der Lage, eine funktionierende Website zu bauen.
Bleibt zu hoffen, dass sie noch nachbessern, und ebenso die Verantwortlichen für das Fernsehprogramm.
Von: Aro Kuhrt
(3. November 2008)
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