Messias wird Präsident
Der US-Wahlkampf ist vorbei und damit die Zeit, in der man den Eindruck hatte, es würde der deutsche Präsident gewählt und nicht der us-amerikanische. Wirklich extrem war es in dieser Nacht, wenn man durch den Bezirk Mitte fuhr: Unter den Linden, die alte Kommandantur, war komplett mit der US-Flagge und dem Spruch »Amerika wählt« angestrahlt. Das ganze Haus leuchtete in rot, weiß und blau, davor zahlreiche schwarze Luxuslimousinen, innen die Kameras. Ein ähnliches Bild nur wenige hundert Meter weiter in der Französischen Straße. Live aus der Hauptstadt-Repräsentanz der Telekom sendet das ZDF von der Wahlparty der US-Botschaft, auch hier sieht man hunderte Besucher. Vor dem Kino Babylon am Rosa-Luxemburg-Platz musste in der Nacht sogar die Straße gesperrt werden, denn es kamen viel mehr zur Obama-Wahlparty als die 800, die sich schon vorher eine Eintrittskarte besorgt hatten.
Seit den Anschlägen von New York berichteten nicht mehr so viele deutsche Fernsehsender über Stunden hinweg. ARD, ZDF, Sat1, RTL, N-tv, N24 und Phoenix brachten die ganze Nacht hindurch Sondersendungen mit Schalten in die USA. Mehrere Sender aktualisierten nicht nur im Fernsehen, sondern auch auf ihren Websites alle paar Minuten die Landkarte, in denen verzeichnet war, wie die einzelnen Bundesstaaten gewählt haben.
Allerdings hatte man nicht überall den Eindruck, dass die Journalisten neutral berichteten, ausgerechnet die Moderatoren in den öffentlich-rechtlichen Sendern zeigten offen ihre Sympathie für Barack Obama. Vor allem bei der ZDF-Übertragung ließ der Reporter Peter Frey keinen Zweifel über die eigene Meinung zum Thema. Wenn die Wahlergebnisse einzelner Bundesstaaten ausgerufen wurden, jubelte der Saal bei Obama. Ging ein Staat an John McCain, dann rutschte auch schon mal heraus »Oh, es gibt hier ja auch Anhänger der Republikaner«.
Alles in allem fragt man sich schon, wieso bei uns der US-Wahlkampf fast noch wichtiger ist, als der deutsche. Es ist kaum anzunehmen, dass im nächsten Sommer 200.000 Menschen zusammenströmen, zu einer Werbeveranstaltung von Angela Merkel oder Frank-Walter Steinmeier an der Siegessäule.
Vielleicht liegt das an den selben Gründen, weshalb die Amis Obama gewählt haben: Trotz schwammiger Aussagen und unklarer Standpunkte steht dieser Mann doch für etwas, nämlich für einen Neuanfang. Erst recht im Vergleich mit dem 72-jährigen McCain sieht er sehr jung aus, nicht nur optisch. Er will weg von der Politik der Alten, jedenfalls sagt er das, weil er weiß, dass die Menschen in den USA das ebenfalls wollen. Vielleicht ist es das, was ihm hier so viele Sympathien einbringt.
Von: Aro Kuhrt
(5. November 2008)
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Ja,ja schon seltsam wie Volkes Seele tickt. So richtige klare Positionen wie er z.B die Finanzkrise und die Ursachen bekämpfen will, hat er ja auch nicht fomuliert. Mal sehen wie der Superstar sich noch entwickelt.