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  • Was passiert da?

    12. November, Berlin-Mitte: Hunderte von Schülern nutzen die Demonstration »Bildung für alle«, um die Humboldt-Universität zu stürmen. Hier werden Türen, Fenster, Zwischenwände zerstört, Feuer gelegt, Bücher aus dem Fenster geworfen. Am Schlimmsten jedoch ist die Zerstörung einer Ausstellung über die Enteignung von Juden während der Nazizeit. Während die einen die Schautafeln zerreißen, schwenken die anderen eine Fahne der »Antifaschistischen Aktion«. Die Ausstellung dokumentiert in Bildern und Texten die Zerstörungswut, mit der die Nazis im November 1938 jüdische Geschäfte und Unternehmen demolierten und deren Eigentümer vertrieben. Daran erinnern auch die Bilder, die diese Leute nur drei Tage nach dem 70. Jahrestag der Pogromnacht lieferten.

    Der Veranstalter der Demonstration, die Landesschülervertretung Berlin, hat auch bis zum Ende des folgenden Tages noch nicht reagiert, auf seiner Website steht kein Wort des Bedauerns.
    Die Ausstellung behandelte die Enteignung von jüdischen Unternehmern und während der Zerstörung in der Uni wurden immer wieder Parolen gegen den Kapitalismus gerufen. Das legt nahe, dass zumindest einige der Jugendlichen ganz bewusst gegen diese Informationstafeln vorgegangen sind. Auf einer Tagung in der Uni wurde ein als »Manager« bezeichneter Gast gezwungen, mit einem Schild zu posieren.
    Die Autonomenportal Indymedia feierte dann auch die Aktion: »Ein großartiges Bild«. Kommentare wie »die Besetzung war ein Schritt in die richtige Richtung« wurden natürlich akzeptiert. Beiträge jedoch, die sich gegen die Aktion aussprachen, und die auf die Teilnahme von Antifa-Leuten daran hinwiesen, wurden unsichtbar gemacht.

    Was passiert hier? Sicher war den meisten der beteiligten Jugendlichen nicht bewusst, was sie dort tun. Aber die Initiatoren dieser Aktionen haben wohl nicht zufällig diese Ausstellung und dieses Vorgehen gewählt. Anscheinend ist die Annäherung zwischen Links- und Rechtsextremisten weiter gediehen, als bisher angenommen. Berührungspunkte zwischen den politischen Extremen gab es auch schon in der Vergangenheit, dass aber offen – selbst vor Fernsehkameras – solche Gewaltexzesse ausgetragen werden, ist neu. Die Neonazis liefern die Inhalte, die Autonomen stellen die Masse. An dieses Bild muss man sich nun anscheinend gewöhnen.

    Die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Lala Süsskind sagte, die Ausstellung zu demolieren, sei eine Beleidigung für die Jüdische Gemeinde. Nach ihren Informationen sind bei der Aktion auch antisemitische Äußerungen gefallen.
    Spätestens jetzt muss sich jeder beteiligte Schüler fragen, ob er noch mit linksradikalen Gewalttätern zu tun haben will. Wenn bereits das Gedenken an den Naziterror zerstört wird, ist der nächste Schritt nicht weit: Direkte Gewalt gegen jüdische Einrichtungen.

    Mitschnitt bei Spiegel TV:


    Artikel als PDF

    Von: Aro Kuhrt

    (13. November 2008)

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    KOMMENTARE:

    1. Mario am 19. November 2008 um 18:28 Uhr

      Laut Aussage des HU-Präsidenten ist die Ausstellung systematisch zerstört worden. Mehrere Personen haben außerdem die Parole »Scheiß Israel« gehört, was ebenfalls für einen bewusst antisemitischen Anschlag spricht.





       Pinox

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    Es geschah in Berlin am 07.02.

  • 1916 Die Stadtrohrpostzentrale im Haupttelegrafenamt in der Oranienburger Straße in Mitte wird in Betrieb genommen.
  • 1933 Letzte antifaschistische Großkundgebung: 200.000 Sozialdemokraten auf dem Lustgarten.
  • 1946 Sendebeginn des RIAS (Rundfunk im amerikanischen Sektor), anfangs noch als DIAS (Drahtfunk).
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