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  • Vor 25 Jahren: Straßenkämpfe in Berlin

    Vor 25 Jahren schlug der Berliner Senat zu: 200 Hausbesetzungen hatten ihn in den Vormonaten gequält, nun sollte damit Schluss sein. Obwohl sich viele der besetzten Häuser um eine Legalisierung bemühten, ging der Senat mit äußerster Härte gegen besetzte Häuser vor, er war an einer friedlichen Lösung nicht interessiert.
    Den Bluthund machte Heinrich Lummer, der später seinen Posten als Innensenator räumen musste, weil ihm Geldzahlungen an die NPD nachgewiesen werden konnten. Er setzte die harte Linie durch, sein Chef, der Regierende Bürgermeister Richard von Weizsäcker, nickte sie ab. Mindestens zwei Tote und über 200 Verletzte forderte das Vorgehen der Polizei. Weizsäcker schadete es nicht, er konnte vier Jahre später in seiner »Berliner Rede« den guten Menschen spielen. Im Herbst 1981 jedoch war er mitverantwortlich für eine unsägliche Hetze gegen tausende junger Menschen in unserer Stadt, die einen Teil der rund tausend leerstehenden Wohnhäuser Berlins besetzt hatten.
    Die Machenschaften der Spekulanten, die die Häuser verrotten ließen, um Abrissgenehmigungen zu bekommen und dann teure Neubauten errichten zu können, hatten zu dieser Zeit einen Höhepunkt erreicht. An den Großdemonstrationen nahmen im Sommer bis zu 80.000 Menschen teil und sie kamen aus allen Schichten. Zwar waren auch zahlreiche gewaltsuchende Autonome darunter, doch in der damaligen Hausbesetzerbewegung waren sie ein kleiner Teil.

    Lummer und Weizsäcker störte das nicht, sie kündigten siegessicher schon einige Tage vorher die Räumung von acht bestimmten Häusern an. In diesen Gebäuden lebten Studenten, Schüler, Musiker, keine Krawallsuchenden oder Autonomen. Am Morgen des 22.9. versammelten sich vor und in den Häusern jeweils mehrere hundert Menschen zum Schutz, FU-Seminare wurden in Häuser verlegt, um den harmlosen Charakter und die Solidarität zu demonstrieren. Doch es half alles nicht. Die Polizei setzte massiv Tränengas, Knüppel, Wasserwerfer und Panzerwagen ein, die Häuser wurden mit Baggern gestürmt, an die Rammböcke aus Stahl geschweißt waren.
    Obwohl es in den Häusern keine aktive Gegenwehr gab, rastete die Polizei aus, auch aufgestachelt dadurch, dass sich Lummer auf dem Balkon eines der Häuser in Napoleonmanier zeigte und dort eine improvisierte Pressekonferenz hielt. Sie prügelte eine Gruppe von Demonstranten, die sich auf der Bülowstraße befand, mitten in den Verkehr der Potsdamer Straße. Dabei wurde der 18-jährige Klaus-Jürgen Rattay vor einen fahrenden BVG-Bus getrieben. Er verschwand sofort unter dem rechten Vorderreifen und wurde noch einige Meter mitgeschleift. Er war sofort tot. In den kommenden Mintuten und Stunden wurden in die Blutlache imemr wieder Blemen hineingelegt, am Bordstein entstand eine kleine Mahnwache. Doch die Stiefel der Polizei trampelte es immer nieder, es durfte kein Gedenken geben.

    Der damalige Polizeipräsident Klaus Hübner behauptete zum 25. Jahrestag, Rattay sei »in einen Autobus gerannt«. Kein Wort davon, dass es seine Polizisten waren, die an diesem Tag teilweise zwei, drei Minuten lang mit Knüppeln auf Menschen einschlugen, die längst wehrlos am Boden lagen. Und die den Tod von Klaus-Jürgen Rattay verursacht haben. Frei nach der Parole, die ihr oberster Dienstherr wenige Minuten vorher bei der Pressekonferenz ausgegeben hatte: »Wenn schon, denn, schon, in einem Aufwasch ist das am besten erledigt.«
    Noch heute sind die damals Beteiligten nicht frei von Emotionen. Viele hat den damaligen Tag an eine Polizeidiktatur erinnert, ehemalige Widerstandkämpfer gegen die Nazis waren schockiert, was sie dort erleben mussten. Der Tag hat die Macht des Staates gegen die Bevölkerung mit aller Gewalt demonstriert und bewiesen, dass so etwas nicht nur in lateinamerikanischen Diktaturen möglich ist


    Artikel als PDF

    Von: Aro Kuhrt

    (22. September 2006)

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