Quo vadis Tempelhof?
Der größte Puff Berlins, Deutschlands, des Universums könnte auf dem Gelände des einstigen Flughafens Tempelhof entstehen. So ähnlich brüllte am Dienstag die Schlagzeile der BZ. Die scheinheilige Entrüstung war wie gewohnt nur die halbe Wahrheit. Tatsächlich ist dieser Vorschlag nur einer von vielen. Insgesamt 80 Konzepte wurden beim Ideenwettbewerb zur künftigen Gestaltung des Ex eingereicht, veranstaltet von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Davon sind nun 12 Vorschläge in die engere Wahl gekommen. Bis Mai ist jetzt Zeit, diese Pläne detaillierter darzustellen, dann trifft der Senat seine Entscheidung. Wahrscheinlicher als ein riesiges Bordell ist die großflächige Anlage von Wohnhäusern, fast alle der zwölf Vorschläge gehen in diese Richtung. Dort gilt: Grün vor Grau, so grundsätzlich verschieden sind die Konzepte leider nicht. Es fehlen revolutionäre Ideen wie die Anlegung des größten Berliner Parkplatzes. Oder eines von der Außenwelt hermetisch abgegrenzten Urwalds. Oder eines Atommüllendlagers. Oder die Anlage eines Gefangenenlagers für die jetzigen Häftlinge aus Guantanamo, denn die sind ja bald obdachlos. Auch eine Austragungsfläche für wöchentliche Kämpfe zwischen Neonazis und Autonomen ist denkbar. Wie wäre es, wenn man die Fläche Massengrab gestorbener Träume nutzt, die man mit einem Stift auf dem Beton schreiben kann? Schön wäre auch ein Golfplatz für die künftigen Wähler der FDP, man soll Minderheiten doch unterstützen – und wie der Guido sich dann freuen würde!
Man könnte den ex-Flughafen aber auch einfach ignorieren und verleugnen, von den Stadtplänen tilgen und behaupten, es hätte hier nie einen gegeben. Oder man baut ihn komplett ab und schickt ihn nach New York, dann brauchen die Flugzeuge dort nicht mehr im Wasser zu landen.
Unabhängig vom Gelände wird die künftige Nutzung der Flughafengebäude geplant. 61 Konzepte wurden dafür eingereicht, von Veranstaltungssälen bis zu einem Luftfahrtmuseum. Auch das Alliiertenmuseum würde gerne von der Clayallee nach Tempelhof ziehen. Am wahrscheinlichsten aber ist, dass das Studio Babelsberg als Großmieter einzieht. Die Hangars sollen dann Filmstudios werden, zusätzlich könnten verwandte Firmen angesiedelt werden.
Was auch immer den einstigen Flughafen ersetzen wird, wir bleiben dran…
Von: Aro Kuhrt
(22. Januar 2009)
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