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  • Wat los, Herr Glos?

    Wat los, Herr Glos?

    Im Leben können Dinge geschehen, die wirklich nicht vorhersehbar sind. Das ist besonders gerne bei Glücks- oder Unfällen und bei Katastrophen der Fall, manchmal aber auch bei viel banaleren Vorkommnissen. Zum Beispiel, dass jemand plötzlich Geburtstag hat. Offenbar war diese überraschende Erkenntnis beim Wirtschaftsminister Michael Glos der Fall und so entschloss er sich, in der vergangenen Woche seinen Rücktritt vom Amt einzureichen. Das ist in mehrerer Hinsicht merkwürdig: Erstens war seine Begründung, dass er in diesem Jahr 65 Jahre alt wird und den Job daher abgeben möchte. Mal abgesehen davon, dass dieser Geburtstag wohl eher nicht überraschend kommt, denn Glos hatte ja mittlerweile sechseinhalb Jahrzehnte Zeit, sich dieses Datum zu merken. Hat er aber anscheinend nicht, denn dann wüsste er, dass dieser Tag erst im Dezember ist – also einige Monate nach der nächsten Bundestagswahl und nach der Ernennnung des nächsten Bundeskabinetts. Es wäre also – zweitens – noch mehr als genug Zeit gewesen. Drittens geht er diesen Schritt ausgerechnet in der größten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten. Das zeugt nicht von Verantwortungsbewusstsein, denn es ist vorhersehbar, dass es ein Nachfolger ausgerechnet in einer solchen Situation besonders schwer haben wird, sich einzuarbeiten.
    Seltsam ist viertens auch, dass er seinen Rücktritt bei Horst Seehofer eingereicht hat, nicht bei der Regierungschefin, die ja eigentlich für die Personalangelegenheiten der Regierung zuständig ist. Aber Glos gehört wie Horst Seehofer zur CSU und die haben das Wirtschaftsressort, also eben Seehofer. Dabei weiß man ja, dass gerade der ein ganz anderes Verhältnis zur politischen Arbeit hat, was ihn vor einigen Jahren fast ins Grab gebracht hat. 2002 erkrankte er schwer am Herzen, weil er sich nicht mehr um seine Gesundheit gekümmert hat. In einem Interview gab Seehofer auch zu, dass er die Politik als Sucht sieht, man ist gefragt, man ist wichtig, man hat eine Persönlichkeit und die will man nicht riskieren.
    Daher war es sicher nicht klug, ausgerechnet diesen Politjunkie um Zustimmung zum Rücktritt zu bitten und folglich hat er ihn auch abgelehnt. Erst nach einem Gespräch mit Angela Merkel wurde entschieden, Glos ziehen zu lassen und noch einen Übergangsminister zu ernennen. Das ist sicher besser, als einen genervten Amtsinhaber zu halten, der sowieso ständig überfordert schien und auch gerne mal die Nerven verlor. Wie erst vor einer Woche, als er einen Berliner Polizisten anbrüllte, weil der ihn bei einer Absperrung nicht durchlassen wollte.
    Wer auch immer der Halbjahresnachfolger wird, er wird sich in der kurzen Zeit nicht profilieren können. Deshalb sollte die CSU eine List anwenden: Statt einen der Ihren zu verbrauchen, könnten sie doch großzügig der Linkspartei/PDS den Posten anbieten. Unter der einstigen FDJ-Funktionärin für Agitation und Propaganda würde derjenige sich bestimmt wohl fühlen, zumal in Deutschland derzeit ja auch munter verstaatlicht wird. Im Herbst dann ist er verbraucht und die CSU kann bis dahin in Ruhe einen neuen Wirtschaftsminister aufbauen. Vorausgesetzt natürlich, dass die Union es wieder an die Regierung schafft. Und wenn nicht, kann man die Schuld immer noch auf Glos schieben, auf die CDU und die gottlosen Kommunisten.


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    Von: Aro Kuhrt

    (9. Februar 2009)

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    KOMMENTARE:

    1. Dieter Meyer am 11. Februar 2009 um 16:38 Uhr

      Man muß sich fragen, of Friedrich Merz nicht eine Alternative zu Glos bzw. seinem Nachfolger gewesen wäre? Sicherlich ist er immer noch einer der Wirtschaftsexperten in Deutschland.
      Ich bin jedenfalls gespannt auf seinen Auftritt bei einer Veranstaltung der FU Berlin. Diverse Referenten aus Politik und Wirtschaft, darunter Friedrich Merz und Matthias Machnig, treten im Zuge einer Ringvorlesung immer Montags zwischen 18:00 und 20:00 Uhr im Hörsaal 104 in der Garystraße auf.
      Weitere Infos gibt’s im Anhang oder hier:
      wiwiss.fu-berlin.de/institute/marketing/ringvorlesung/index.html
      Mal sehen, ob er was zum neuen Wirtschaftsminister sagt.





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