Quaster: 136 Rosen

Am 17. August 1962, ein Jahr nach dem Mauerbau, versuchten zwei Freunde an der Zimmerstraße zu fliehen. Von Mitte, Ost-Berlin nach Kreuzberg, West-Berlin. Peter Fechter schaffte es nicht, Kugeln der Grenzsoldaten trafen den 18-Jährigen, schreiend und wimmernd verblutete er an der Mauer.
Wenige Meter weiter befand sich der VEB Autobahn Projektierung Berlin. Die Arbeiter dort hatten einen direkten Blick auf das Geschehen, sie hörten die Schüsse, sie sahen den Jungen fallen und sterben. Einer der Kollegen war der Lehrling Dieter Hertrampf, der Jahre später als Gitarrist Quaster mit der Rockband Puhdys bekannt werden sollte:
„Schnell breitete sich bei uns eine starke Wut aus. Wir konnten es nicht verstehen das man dem Jungen nicht half, sondern ihn dort verbluten ließ. Keiner von uns arbeitete mehr weiter. Zu groß war der Schock des Erlebten. Unser Parteisekretär spürte unsere Wut und schloss sich kurzerhand in seinem Büro ein. Über Lautsprecher wurde uns dann verboten, aus dem Fenster zu sehen. In der Zwischenzeit war auch die Bereitschaftspolizei eingetroffen und besetzte unseren gesamten Betrieb.“
Mehr als 50 Jahre später veröffentlichte Quaster das Lied 136 Rosen, das an die Toten der Mauer erinnert.

136 ROSEN

Er war ein Kämpfer, friedlicher Rebell
Er war wie David der sich Goliath stellt
Sein Herz war auf Freiheit gepolt
Folgte dem Hoffnungsfunken
Sie haben ihn aus dem Wasser geholt
auf der Flucht ertrunken

136 Rosen
Treiben in der Spree
Als Symbol für unsre Großen
Hier am Mauerweg
Sie mussten alle fallen bevor sie fiel
Gingen mutig voran
Richtung blühendes Ziel

Ein sie treibender Traum
ein unbändiger Wille
Dorn im Auge der Macht
Geben uns neue Kraft
in der Stunde der Stille

Sie ging so tapfer mit dem Kopf durch die Wand
Wurde verstoßen, Verräterin genannt
Sie hat die Weichen auf Hoffnung gestellt
Und alle Regeln gebrochen
Am Kopf getroffen auf dem Minenfeld
Wir wussten’s erst nach Wochen

136 Rosen
Treiben in der Spree
Als Symbol für unsre Großen
Hier am Mauerweg
Sie mussten alle fallen bevor sie fiel
Gingen mutig voran
Richtung blühendes Ziel
Dorn im Auge der Macht
Geben uns neue Kraft in der Stunde der Stille

(Text und Musik: Mia Aegerter)

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