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Verlierer spammen

Verlierer spammen

Nachdem im letzten Herbst das Aus für den Flughafen Tempelhof kam, war wenig zu hören von den Leuten, die das Volksbegehren für die Offenhaltung verloren hatten. Mit ihren Argumenten, die doch sehr an Kalte-Krieg-Zeiten erinnerten, haben sie kaum jemanden überzeugen können. Meine Begegnungen mit ihnen waren auch nicht gerade positiv (»Als ich dem Verteiler sagte, dass ich die Schließung vernünftig finde, geriet er sofort in Wut. Ich wäre wohl kein Berliner, hätte sowieso keine Ahnung, und was ich überhaupt dort wolle, ich wäre doch dumm und solle mich gefälligst verziehen«).
Offenbar haben sie noch immer kein Benehmen gelernt. Anders ist es nicht zu erklären, dass sie nun auf Mail-Spamming setzen. Ungefragt und unerlaubt werden alle möglichen Leute und Initiativen mit Mails zugeschüttet (»Mail von Roman«), in denen absurde Behauptungen aufgestellt werden (»Bautechnisch ist Tempelhof wegweisend für alle Flughäfen der Welt!«, »Der Begriff Flughafen wurde hier in Berlin Tempelhof erfunden«). Natürlich stehen auch wieder die alten Parolen in der Propaganda-Mail (»Der schönste Flughafen der Welt«, »…die Berliner Luftbrücke vielen Millionen Berlinern das Leben rettete«).
Wie schon vor einem Jahr erklären die Befürworter nicht, was die Geschichte des Flugplatzes damit zu tun hat, dass er auch weiterhin als solcher genutzt werde soll. Das sind doch zwei verschiedene Dinge. Wenn sie schon die Nutzung der Vergangenheit wieder aufleben lassen wollen, müssen sie auch dafür sein, dass man im Untergeschoss wieder Stuka-Bomber zusammenschraubt, am besten wieder mit Zwangsarbeitern.

»Kämpfen wir für unseren Flughafen der Herzen« schreiben die Spammer und listen in ihrer Mail gleich 10 Links zu ihren Websites auf. Dass sie sich mit ihrer Aktion strafbar machen, ist ihnen offenbar egal. Erst wenn man genauer hin schaut, wird der wahre Hintergrund der Aktion offenbar. Plötzlich geht es nicht mehr nur um den längst geschlossenen Flughafen, sondern gegen den rot-roten Senat: »Berlin will Neuwahlen jetzt und stimmt daher für eine vorzeitige Beendigung der 16. Wahlperiode«. Der Wind weht von rechts und da ist den Ewiggestrigen offenbar jedes Mittel recht. Vom Beleidigungen über Lügen bis zum Spamming.


Von: Aro Kuhrt

(29. März 2009)

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