Flughafen BER

Schöneflug Wunderland

Der heftig umstrittene, Milliarden teure Kernreaktor Kalkar ging nie in Betrieb. Es gab Bedenken, was die Sicherheit betraf, und irgendwann waren die Computer veraltet, bevor sie je benutzt wurden. Danach kaufte ein Betreiber von Vergnügungsparks die gesamte Anlage und betrieb sie als „Kernwasser-Wunderland“.
Laut Reklame konnte man dort viel erleben und hochmoderne Technik von ganz nah bewundern.
Ich erinnere mich an meine erste Erkundungstour. Der Parkplatz war leer; aber mit uns kam ein Bus an. Als ich mir im Empfang die Prospekte anschaute, kam ein alter Mann aus dem Bus und verlangte: „Fünfundvierzig Mal das Sonderangebot für Rentner: Kaffee und ein Stück Kuchen mit Ausblick auf die Anlage.“ Wir wollten keinen Eintritt bezahlen und keinen Kaffee trinken, ließen die Eingangshalle, das Werbematerial und die leeren Parkplätze noch auf uns wirken und begaben uns dann ins nur wenige Kilometer entfernt liegende Schloss Moyland.

Inzwischen heißt „Kernwasser-Wunderland“ anders, nämlich „Wunderland Kalkar“, und nur im Angebot für Senioren kommt noch ein Bild vor, das zeigt, was da geplant war und gebaut wurde. Kein junger Mensch weiß mehr, was ein schneller Brüter ist.
Wer alt genug ist, kann aber das jahrelange Hängen und Würgen nicht vergessen, bis das Reaktorprojekt 1991 endlich von seinem Leiden erlöst wurde.
Im Februar 2015 steht auf der Internetseite der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH folgende Reklame:

Erlebnis BER
Die Tour „Erlebnis BER“ startet vom Terminal C am Flughafen Berlin-Schönefeld. Ein Bus bringt Sie direkt zum Infotower. Hier erhalten Sie zunächst einen Überblick über das gesamte Flughafenprojekt. Im Anschluss haben Sie die Möglichkeit, das komplette Gelände des BER sowie den bestehenden Flughafen Schönefeld aus 32 Meter Höhe zu überblicken. Dann fährt der Bus mit Ihnen quer über das 960 Hektar große BER-Gelände. Während der kompletten Tour erhalten Sie von einem unserer Guides die aktuellsten Informationen.
Bei den Flughafentouren erhalten Sie die Möglichkeit an festgelegten Punkten aus dem Bus auszusteigen.

Es ist dieselbe Idee wie damals in Kalkar, angepriesen in derselben Sprache. Wenn Sie den Eintritt für so etwas sparen wollen, fahren Sie doch einfach zum Schloss Königs Wusterhausen. Das liegt nur ein paar Kilometer entfernt.

Aus: Suche nach der Mitte von Berlin

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