Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem anderen zu

Oder eben anders herum. Nur so kann ich mir erklären, dass es – wieder mal – zu einer gewalttätigen Auseinandersetzung zwischen Autonomen und Neonazis am Bahnhof Frankfurter Allee kam. Dabei wurde ein Linker lebensgefährlich verletzt, weil einer der Rechten ihm auf den Kopf gesprungen ist. Ursprünglich hieß es, vier Nazis wären aus der nahen Discothek Jeton gekommen und hätten die Gruppe von etwa zehn Linken überfallen und verletzt. Dass die Polizei dann nicht nur die vier Faschos verhaftete, sondern am nächsten Tag auch einen Autonomen, passte nicht so recht in dieses Bild. Mittlerweile gibt es ein anderes Bild. Demnach sind die in Wirklichkeit gleich großen Gruppen von je etwa 10 Leuten am Bahnhof aufeinander los gestürmt und hätten sich geprügelt. Also kein Überfall.
Die Autonomen geben sich scheinheilig empört, dabei sind sie kein bisschen besser als die Neonazis. Dienstag Nacht griffen etwa 200 von ihnen die Disco an, die zu diesem Zeitpunkt aber schon geschlossen hatte. So wurden Steine durch die Scheiben geworfen und auch in einen vorbei fahrenden Polizeiwagen, in dem ein Beamter verletzt wurde. Auch dies ist bei den Autonomen traurige Tradition, sie haben – wie die Neonazis – in Berlin schon hunderte politische Gegner verletzt, einige sogar getötet. Erinnert sei an den 18-jährigen Jungen, der am Alexanderplatz erschlagen wurde oder den rechten Parteifunktionär, ermordet mit mehreren Messerstichen in den Rücken.
Wie schon oft wird hier offensichtlich, dass es sich bei den Kämpfen zwischen Rechts- und Linksextremisten um im Grunde unpolitische Auseinandersetzungen handelt. Dass die Nazis ihr unmenschlichen Weltbild mit allen Mitteln durchzusetzen versuchen, ist klar. Den Autonomen werden dagegen oft noch unterstützenswerte Beweggründe zugebilligt, dabei unterscheiden sie sich weder in den Mitteln, noch inhaltlich wirklich von den Rechtsextremen. Der Antisemitismus ist bei beiden gleich, genauso der Hass auf Demokraten sowie auf Menschen, die eine gewaltfreie politische Auseinandersetzung fordern. Toleranz ist ihnen verhasst. Die Unterschiede zwischen Autonomen und Neonazis sind etwa genauso groß wie die zwischen den Hells Angels und den Bandidos – beide unterscheiden sich nur in Nuancen.
Dass es bei den Aufeinandertreffen beider Lager bisher so wenig Tote gab, ist erstaunlich. Jede Aktion der einen Seite wird von der anderen zum Vorwand für Racheakte genommen, dass es dabei Opfer gibt, ist klar. Leider trifft es jedoch nicht nur die Akteure, sondern oft auch Unbeteiligte, oder Leute, die einfach nicht so extremistisch sind. SPD-Anhänger werden von Nazis wie von Linksextremisten verprügelt. Nazis verprügeln Juden, Linke legen einen Sprengsatz an die Synagoge. Gegen die Polizei gehen beide Seiten genauso grausam vor, eventuelle Todesopfer interessieren nicht. Niemand ist vor ihnen sicher, der nicht dazu gehört.
Von: Aro Kuhrt
(16. Juli 2009)
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Stichworte:
Autonome, Frankfurter Allee, Friedrichshain, Gewalt, NeonazisKOMMENTARE:
Das Buch 1988
004 – Keine MusikRecherche in Sachsen
Kommt noch!
003 – Helft Mutti beim Tragen!
Tipps vom Profi
Pinox
Es geschah in Berlin am 03.09. |













Hast Du nicht auch manchmal ’ne mächtige Wut im Bauch?
Bin mal gespannt, was am Samstag los sein wird.
http://www.taz.de/regional/berlin/aktuell/artikel/1/ein-defizit-bei-linker-selbstkritik/
sehr gut geschriebener artikel, dem ich voll zustimme.
leider begreifen das immer noch zu wenige, und es wird noch immer relativiert was das zeug hält.