Moabiter Kriminale

Der Knast in Moabit ist ein Begriff. Auch das Kriminalgericht, vorne zur Turmstraße hin. Kein schöner Ort. Niemand möchte dort hin. Doch gleich gegenüber sieht man das mit anderen Augen. Klaus-Peter Rimpel betreibt hier seit 30 Jahren die Dorotheenstädtische Buchhandlung und einer der inhaltlichen Schwerpunkte des Angebots ist natürlich die Kriminalität, das Strafrecht, Verbrecher, Richter, Anwälte und Staatsanwälte. Schreibende Richter und Knackies lesen im Hinterzimmer der Buchhandlung und wenn der Spätsommer dem Herbst Platz macht, findet seit 1997 jährlich die »Moabiter Kriminale« statt. In zahlreichen Lesungen und Aktionen zieht Rimpel wieder erneut vor Gericht, aber auch in den »Tempel des Herrn« (um eines Krimipastors zu gedenken), erinnert mit einem Remake an die Vorherbstzeiten 1989, kommt dem Harfenmörder auf die akustische Spur, trifft mit seinen Zuhörern auf Polizisten der anderen Art und lernt einen besonders schweren Jungen kennen.
Hier eine Auswahl der 12. Moabiter Kriminale:
Schau nicht hin, schau nicht her
(Horst Bosetzky, Steffen Mohr)
Der West-Berliner Bürger Julian Goyatz unternimmt 1988 anlässlich einer Familienfeier einen Ausflug in die DDR. Doch dann passiert etwas Furchtbares. Im Zorn erwischt er den West-Berliner Chaoten Nico mit seinem Mercedes, der junge Mann wird durch die Luft geschleudert und bleibt reglos liegen. Julian hat die Konsequenz vor Augen, verurteilt in der DDR, und das als angehender Akademiker sowie kommunalpolitischer West-Berliner Hoffnungsträger.
Der erste und einzige deutsch-deutsche Kriminalroman, erschienen im Frühjahr 1989, damals vorgestellt hier in der Buchhandlung und nach Zensurgefechten auch 1990 in der Noch-DDR veröffentlicht. Er liegt nun in leicht überarbeiteter Form erneut vor.
Lesung: Di., 8. September, 20 Uhr
Der Mann der aus dem Fenster sprang
(Ludwig Lugmeier)
Er wollte eigentlich nur raus aus seinem vermufften oberbayrischen Kaff. Mit spektakulären Überfällen auf Geldtransporte erwarb er sich in den 70ern einen Ruf. Aus dem Abenteurer wurde ein gesuchter Schwerkrimineller. Knapp 30 Jahre nach seinem legendären Fenstersprung aus dem Frankfurter Gerichtssaal während des Prozesses legt Lugmeier seine Lebensgeschichte vor: Gewitzt und doch nicht frei von Beklemmung wird beschrieben, was es bedeutet, auf der Flucht zu sein, gejagt zu werden, per Steckbrief und erst recht auf dem Bildschirm.
Lesung: Fr., 11. September, 20 Uhr
Krumme Touren auf der Spree
Auf der etwa dreistündigen Dampferfahrt werden ca. 30 Berlin-Krimis vorgestellt, die fiktiven Verbrechen am Rande der Strecke beschreiben. Der eine oder andere Mord war aber auch real.
So., 13. September, 15 Uhr
Verbrechen
(Ferdinand von Schirach)
Ein angesehener freundlicher Herr, Doktor der Medizin, erschlägt nach 40 Jahren Ehe seine Frau mit einer Axt. Sein Geständnis ist ebenso ungewöhnlich wie seine Strafe. Ein Mann raubt eine Bank aus – und er hat seine Gründe. Gegen jede Wahrscheinlichkeit wird er von der Justiz an Leib und Seele gerettet. Eine junge Frau tötet ihren Bruder. Aus Liebe. Lauter unglaubliche Geschichten, doch sie sind wahr.
Ferdinand von Schirach hat es als Rechtsanwalt täglich mit Menschen zu tun, die Extremes getan oder erlebt haben. Das Ungeheuerliche ist bei ihm die Normalität. Er vertritt Unschuldige, die mit dem Gesetz in Konflikt geraten, ebenso wie Schwerstkriminelle Deren Geschichten erzählt er lakonisch und mit großer Wucht.
Lesung: Mo., 14. September, 19.30 Uhr
Wer weiß was
(Silvia Bovenschen)
Ein Mord? Professor Urlach liegt auf dem Klo der Universität. Er hat ein Messer im Rücken. Wer war am Tatort? Sollten diese aufgescheuchten Akademiker das Fragen nicht der Polizei überlassen? Warum ist Hauptkommissar Merker so nervös? Stehen nicht alle im Flutlicht des Verdachts? Wird so eine »nahe« Leiche ihr Leben radikal verändern? Ihr Denken, ihr Fühlen? Und: Ist Molly träge? Krüss verrückt? Johanna nymphoman? Wird die Schriftstellerin Carola ihren braven Hochschullehrer mit dem freundlichen Lektor betrügen? Was hat das mit dem Mord zu tun? Und was sind das für merkwürdige Beobachter, die ihre eigenen Ziele verfolgen? Weiß Kurt das? Aber wer oder was ist Kurt?
Ein höchst vergnügliches literarisches Spiel in Krimiform.
(Di., 15. September, 20 Uhr)
Der Harfenmörder
(Andreas Schmitz, Thomas Siener)
Ein Krimi-Hörstück: »Bei Orpheus«, so flucht wieder einmal Paul Hemple, der berühmte Detektiv und Krimiautor, als ihn Sir Breadham von Scotland Yard um Hilfe bittet. Mit seiner reizenden Frau Steve an der Seite und ihren »Ahnungen« löst Hemple auch diesen schwierigen Mordfall.
Fr., 24. September, 20 Uhr
Bruno – Chef de Police
(Martin Walker, gelesen von Helmut Krauss)
Bruno Courreges – einziger Polizist, Gourmet, Hobbykoch, Rugbytrainer und begehrtester Junggeselle von Saint-Denis – wird an einen Tatort gerufen. Ein Immigrant, Kriegsveteran aus dem Algerienkrieg, ist tot aufgefunden worden. Wegen offenbar rassistischer Hintergründe wird auch die nationale Polizeibehörde eingeschaltet. Bruno soll von den Ermittlungen ausgeschlossen werden, doch er ermittelt auf eigene Faust und deckt dank seiner Ortskenntnisse und Beziehungen die in der Resistance-Zeit wurzelnden Ursachen des Mordes auf. Trüffel, Käse, guter Wein und eine Leiche. Eine der schönsten Ecken Frankreichs: das Perigord. Ein schreckliches Verbrechen.
Lesung: Mi., 30. September, 20 Uhr
Crime & Wine
(Rainer Breuer, Ursula Dahm, Berliner Jazzpolizei)
Krimi, Musik und Wein im Kampf gegen das organisierte Verbrechen.
Sa., 26. September, 19.30 Uhr
Kritik der mörderischen Vernunft
(Jens Johler)
ein bekannter Hirnforscher wird brutal ermordet. Der Verdacht fällt auf radikale Tierschützer, denn der Tote hatte Versuche an Affen vorgenommen. Ein Briefbombenanschlag auf einen Kollegen in Bremen deutet in dieselbe Richtung. Doch der Berliner Wissenschaftsjournalist Troller weiß mehr als die Polizei. Denn der Mörder, der sich Kant nennt und mysteriöse Botschaften hinterlässt, hat ihn persönlich kontaktiert. Gemeinsam mit seiner Kollegin Jane kommt Troller einem Mann auf die Spur, der den freien Willen des Menschen bedroht sieht und töten wird, um ihn zu bewahren.
Ein Thriller mit brisantem Thema: Welchen Einfluss haben Wirtschaft und Politik auf die Forschung? Welche Verantwortung tragen Wissenschaftler? Darf alles, was theoretisch möglich ist, auch praktisch umgesetzt werden?
Lesung: Fr., 2. Oktober, 20 Uhr
Farben der Schuld
(Gisa Klönne)
Priestermord in Köln und ein Arzt in Priesterornat wird mit einem Schwert in der Brust gefunden. Karnevalsende. Treibt ein Serienmörder sein Unwesen? Hauptkommissarin Krieger ist nach dem traumatischen Ende ihres letzten Falls vom Dienst befreit. Durch den Kontakt zu einem Polizeiseelsorger wird sie in die Mordserie verwickelt. Doch bei ihren Ermittlungen stößt sie auf eine Mauer des Schweigens, auch bei der jungen Bat, Anhängerin der Gruftieszene, die den Mörder ihrer besten Freundin sucht und dabei selbst in Lebensgefahr gerät. Die Lösung des Falls liegt hinter den Fassaden der katholischen Kirche.
Lesung: Mo., 5. Oktober, 20 Uhr
Immer wieder Warnstädt
(Rüdiger Warnstädt)
Er war 25 Jahre lang Strafrichter im Amtsgericht Tiergarten, im Kriminalgericht Moabit. Man sagte ihm Tugenden nach, die im Gericht selten anzutreffen sind. Jetzt ist er landauf, landab unterwegs, sammelt Vergnügliches und Ärgerliches.
Lesung: 7. Oktober, 20 Uhr
Kalter Main
(Rosa Ribas)
Ein äußerst beliebtes Mitglied der spanischen Gemeinde in Frankfurt am Main wird ermordet aufgefunden. Doch die Hauptkommissarin mit deutsch-spanischen Wurzeln, Cornelia Weber-Tejedor, entdeckt dunkle Flecken in der Vergangenheit des Opfers, nicht zur Freude ihrer spanischen Mutter.
Warum wandelte sich der Ermordete in seinen letzten Lebensjahren vom kommunistischen Atheisten zum demütigen Kirchgänger? Ein Fall zwischen Bankentürmen und Bahnhofsviertel.
Lesung: Fr., 9. Oktober, 20 Uhr
Sex, Essen und andere Verbrechen
Lesebühnenabend mit Falko Hennig, Helmut Hugler, Iris Niedermeyer, Uli Hahnemann, Sarah Schmidt.
Sie haben in Berlin gegessen, Sex gehabt, Verbrechen erlebt und alles in funkelnde Texte verwandelt. Die Autoren sind mit Büchern zu ihrer Heimatstadt hervorgetreten und pflegen seit vielen Jahren den humoristischen Sektor.
Mi., 14. Oktober, 20 Uhr
Totenblumen
(Christian Uecker, gelesen von Roland Hirsch)
Unter dem düsteren Omen der Totenblumen steht der Gemeindeausflug nach Südengland. Auch Pastor Falke ahnt die Gefahr, bleibt aber lieber ahnungslos. So sterben drei Menschen, bevor Falke als Detektiv wider Willen den Fall lösen kann und muss.
Ein Buch für Liebhaber englischer Kriminalromane. Die klassische Situation: alle Verdächtigen sind zusammen, während das Unheil seinen Lauf nimmt.
Einen Tag vor seinem Tod hatte Pastor Christian Uecker die letzten Seiten seines siebten Kriminalromans an den Verlag geschickt. 2007 verstarb er plötzlich und unerwartet während einer Fahrradtour im Alter von gerade mal 50 Jahren. In Gedenken an den Pastor, der mit dem Krimischreiben begann, um mit dem Erlös die Restaurierung der Orgel in seiner Klein-Wesenberger Kirche zu finanzieren.
Lesung: Fr., 16. Oktober, 20 Uhr
Die meisten Veranstaltungen finden statt in der Dorotheenstädtischen Buchhandlung in Moabit, Turmstr. 5, gegenüber dem Kriminalgericht.
Mitteilung des Veranstaltungsorts sowie Reservierungen unter der Telefonnummer 394 30 47.
Von: Aro Kuhrt
(5. September 2009)
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Es geschah in Berlin am 08.02. |












Darf ich mal ein bisschen Werbung machen?
Krumme Touren auf der Spree
wird veranstaltet von der Berliner Geschichtswerkstatt e.V.
Abfahrtstermine und weitere Infos unter
http://www.berliner-geschichtswerkstatt.de/dampfer/termine.htm
Wenn Du das hier nicht haben möchtest, lösch es einfach. O.K.?
Die machen übrigens auch eine Rio-Reiser-Fahrt und sind nicht kommerziell.
die Schiffstouren sind ja fast alle schon vorbei.