Medien-Streik und Streit

In diesen Tagen ist einiges los in der Berliner Medienlandschaft, vor allem sind es negative Nachrichten.
Streik beim RBB
Den Beginn machte die Gewerkschaft Ver.di, die gestern im Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) einen ganztägigen Warnstreik veranstaltete, schon zum dritten Mal innerhalb weniger Tage. Bereits am 24. und 28. Oktober waren etwa 250 Mitarbeiter in einen Warnstreik getreten und hatten vor allem die Berliner Abendschau aus dem Studio vertrieben. Auch diesmal musste Sascha Hingst wieder von der Straße aus moderieren, er stand die ganze Zeit über in der Kälte am Potsdamer Platz und las alle Nachrichten vom Blatt ab. Gestern waren aber nicht nur die Abendschau, sondern auch das Inforadio und die Fernsehsendungen »RBB um sechs« und »Brandenburg aktuell« betroffen. Gestreikt wird für eine Gehaltserhöhung von 5,4 Prozent, der RBB will jedoch nur 4,4 Prozent zahlen. Ob dieses eine Prozent immer wieder Warnstreiks rechtfertigt?
Netzeitung macht dicht
Schlimmere Probleme haben die Mitarbeiter der Netzeitung: Ihnen wurde gestern zum Jahresende gekündigt, dann wird das Erscheinen in der bisherigen Form eingestellt. Das plötzliche Ende kommt unerwartet, denn noch am 12. Oktober wurde die künftige Zusammenarbeit mit »The European« bekannt gegeben.
Nach der langen Beteiligungs-Odyssee der letzten Jahre war es im März endlich zu einer Übernahme des Berliner Verlags und der Netzeitung durch das Kölner Medienhaus M. DuMont Schauberg gekommen. Seitdem galt das Weiterbestehen eigentlich als gesichert. Die Netzeitung war im Jahr 2000 die erste nur im Internet erscheinende »Tageszeitung«. Offenbar waren aber die Einnahmen nicht mehr ausreichend, denn der Verlag schreibt: »In der derzeitigen Form ist die Internetzeitung wirtschaftlich nicht zu betreiben.« Künftig soll die Netzeitung als automatisiertes Nachrichtenportal genutzt werden, wahrscheinlich also so was ähnliches wie Google News, dafür braucht man dann keine eigene Redaktion mehr. Allerdings hatte man auch in den vergangenen Monaten nicht den Eindruck, das Netzeitung etwas anderes wäre als nur ein Nachrichtenlandeplatz der Presseagenturen.
Tagesspiegel schmollt DPA
Im Juni gab die Deutsche Presse-Agentur (DPA) bekannt, dass sie im kommenden Jahr ihren Sitz von Hamburg nach Berlin verlegen wolle. Jedoch wären die bisherigen Räume des Hauptstadtbüros in der Reinhardtstraße dafür zu klein. Am vergangenen Montag gab DPA bekannt, dass sie als Mieter Räume in der Passage des Axel-Springer-Verlags in Kreuzberg anmietet, dort soll die Zentralredaktionen auf 3.500 Quadratmetern untergebracht werden.
Gestern kündigte deshalb der Tagesspiegel an, den Vertrag mit der DPA zu kündigen. Er ist der Auffassung, dass der Einzug ins Springer-Haus mit der gebotenen Unabhängigkeit von DPA »völlig unvereinbar« ist. Ob das der wahre Grund ist oder man einfach einen Vorwand zur Kündigung gesucht hat, bleibt unklar. Erst vor einigen Monaten hatten schon die Zeitungen der WAZ-Gruppe ihren Vertrag mit DPA aus finanziellen Gründen gekündigt.
Kein Berlin-Street-Magazin
Weniger spektakulär ist dagegen, das es das geplante Printmagazin von Berlin Street nicht geben wird. Text- und Foto-Reportagen aus Berlin, der Berliner Geschichte des 20. Jahrhunderts, über Orte, Menschen und Ereignisse werden nun weiterhin ausschließlich hier im Netz erscheinen.
Letztendlich sind auch hier finanzielle Gründe ausschlaggebend, denn solange die Finanzen nicht über einen längeren Zeitraum gesichert sind, ist es ein Wackelprojekt. Das wollten wir natürlich nicht, aber für die Finanzierung weiterer Mitarbeiter fehlt schlicht das Geld.
Stattdessen aber gibt es seit September ein ähnliches Projekt. »Berlin Block« glänzt ebenfalls durch interessante Reportagen. Also besuchen Sie doch al die Kollegen – an jedem gut bestückten Kiosk.
Von: Aro Kuhrt
(7. November 2009)
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