Rechtsverkehr

Ok, die Überschrift bezieht sich etwas plump auf die beiden Themen diese Ausgabe von „Das Letzte der Woche“, nämlich Rechtsextremismus und Verkehr. Zuvor aber noch der Hinweis, dass die zweimonatige Testphase dieser Serie heute abläuft und sie nicht weiter verlängert wird. Das Interesse an den Artikeln war zu gering, so dass es sich nicht lohnt, sie weiterzuführen. Stattdessen wird es aber – so wie bis vor einigen Jahren – ab und zu wieder Einzelartikel zu tagesaktuellen Themen geben.

Rechts

Kommen wir nun zu den Rechtsextremen. Gestern hat Georg Pazderski, der Berliner Chef der AfD versucht, gleichberechtigt zusammen mit Jörg Meuthen als Bundesvorsitzender gewählt zu werden. Der Parteitag hat aber anders entschieden und sich stattdessen für Alexander Gauland entschieden. Pazderski war den Delegierten offenbar nicht extremistisch genug. Er gilt sogar als „gemäßigt“, weil er dem rechtsradikalen Kurs z.B. von Gauland nicht folgt, der versucht hat, die Verbrechen der Nazi-Wehrmacht zu verharmlosen.

Währenddessen bringt sich seine Kameradin Beatrice von Storch mit einer Strafanzeige ins Gespräch, die sie gegen die Macher einer Ausstellung in Kreuzberg gestellt hat. Diese Schau stellt Menschen vor, die für ihre politischen oder idealistischen Überzeugungen gestorben sind. In der Installation „Märtyrermuseum“ werden u.a. Johanna von Orleans, Sokrates und Martin Luther King gezeigt, aber auch islamistische Attentäter unseres Jahrhunderts. Da kam der Störchin natürlich die Galle hoch und sie behauptete, dass sich die Künstler in ihrer Ausstellung mit den jeweiligen Personen identifizieren würden. Dass dies nicht der Fall ist, stört Frau Storch nicht, Hauptsache es geht gegen Moslems und alle, die irgendwie mit dem Islam im Zusammenhang stehen.

Andere Rechtsextremisten werden ja für den Diebstahl der 16 Stolpersteine in Britz vor rund einem Monat verantwortlich gemacht. Nachdem Polizeitaucher die Steine vergeblich im nahen Fennpfuhl gesucht hatten, werden nun neue Stolpersteine verlegt. Diesmal werden sie fest in Beton eingegossen, um einen erneuten Diebstahl zu verhindern. Mehrere tausend Euro kamen innerhalb weniger Tage zur Finanzierung der Neuverlegung zusammen und so werden nicht nur die gestohlenen Steine ersetzt, sondern es kommt mindestens ein neuer Stein dazu. Mit diesem wird dem Widerstandskämpfer Stanislaw Kubicki gedacht, der in der Hufeisensiedlung lebte. So wie die meisten anderen Antifaschisten, an die die gestohlenen Stolpersteine erinnerten.

Nur wenige Kilometer von diesem Ort liegt die Ludwig-Heck-Grundschule in Mariendorf. Diese ist nach einem überzeugten Nationalsozialisten benannt, der an der Entwicklung der NS-Rassenlehre beteiligt war. Die Schule soll nun, nur 73 Jahre nach dem Ende der Nazizeit, umbenannt werden und stattdessen den Namen der Holocaust-Überlebenden Mascha Kaleko erhalten. Offenbar ist das der Schulleitung aber unangenehm, auf der Website findet man nämlich keinen Hinweis darauf. Schade eigentlich, dass man dort so verschämt damit umgeht.

Verkehr

Dies gilt übrigens auch für die BVG. Die hat nämlich eben mal 80 U-Bahn-Waggons bei der Firma Stadler bestellt, weil man mit denen gute Erfahrungen hat. Dumm nur, dass solche Aufträge europaweit ausgeschrieben werden müssen und die Firma Siemens schon mal „überprüft“, ob sie gegen die Auftragsvergabe an den Konkurrenten klagt. Die BVG sagte kleinlaut, es sei dringend gewesen und deshalb hätte man nicht warten können. Das leuchtet nur mäßig ein, denn dass die in Betrieb befindlichen, teilweise 30 Jahre alten Wagen teilweise schon 30 Jahre alt sind, weiß man wohl schon länger, oder?

Das hindert die BVG übrigens nicht daran, eine neue Halblinie in Betrieb zu nehmen. Die U3, die bisher zwischen den Bahnhöfen Krumme Lanke und Nollendorfplatz verkehrt, soll ab dem Frühjahr bis zur Warschauer Straße verlängert werden. Dafür werden aber weniger Züge gebraucht, als bisher, sagt die BVG, obwohl die Strecke dann extrem verlängert wird und es keine Ausdünnung des Fahrplans geben soll. Dies ist in etwa genauso logisch wie die Behauptung, dass ganz plötzlich so viele Waggons veraltet sind. Glaubwürdig ist das alles nicht.

Ebenso wenig wie die Behauptung des Fahrradverleihers Obike, dass kaum jemand von deren Datenleck betroffen sei. Der erst neu auf dem Berliner Markt befindliche Anbieter (mittlerweile der dritte oder vierte in der Stadt) hatte seine Daten online so schlecht gesichert, dass jeder sie einsehen konnte. Blöd nur, dass es nicht nur seine Daten waren, sondern auch die der Kunden, darunter Angaben zu deren Bankkonten und natürlich Telefonnummern, Adressen usw. Damit hat Obike ja einen fast perfekten Einstand in Berlin gegeben.

Der Einstand des neuen Flughafens BER dagegen wird dagegen noch etwas dauern, aber das ist ja nichts Neues. Diesmal soll am 15. Dezember ein neuer Termin für die Fertigstellung des Airports bekanntgegeben werden. Dies ist dann aber noch nicht der Eröffnungstermin, sondern danach werden noch viele Tests folgen. Daraufhin vermutlich noch Korrekturen usw. Und wenn die Flughafengesellschaft Glück hat, wird der BER pünktlich zum eigentlich 10-jährigen Jubiläum am 2. Juni 2022 eröffnet. Wenn nichts dazwischen kommt.

Preislich hat übrigens der Süden den BER eingeholt. In dieser Woche wurde bekannt, dass der neue Hauptbahnhof Stuttgart mal locker 1,5 Milliarden Euro teurer wird als bisher befürchtet. Das dortige Projekt S21 wird so vermutlich teurer als der Flughafen. Dafür verkürzt sich aber auch die Fahrzeit der wichtigen Verbindung zwischen Stuttgart und Ulm um 23 Minuten und statt 16 gibt es dann nur noch 8 Gleise. Verstehen muss man das alles nicht.

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