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A100: Umleitung nach Nirwana

A100: Umleitung nach Nirwana

Dass der Südring der Autobahn bis zum neuen Flughafen verlängert wurde, kann man noch nachvollziehen. Es ist schon blöd, wenn man nur über Stadtstraßen, mit der Bahn oder eben mit dem Flugzeug dort hinkommt. Allerdings wurden für diese Strecke keine Wohnviertel zerstört, sie verläuft zum weitaus größten Teil auf dem ehemaligen Grenzstreifen zwischen Treptow und Neukölln, rechts und links sind meist Gewerbeflächen und Kleingärten.
Anders sieht es aus, wenn die A100 wie geplant Richtung Norden bis zum Treptower Park verlängert wird. Dann verläuft die Autobahn teilweise auch durch Wohngebiete. Und das bringt zahlreiche Bürger auf, denn sie haben Angst um ihre Wohnungen und ihre Kieze.
Dabei ist der geplante 3,2 Kilometer lange Abschnitt noch nicht alles. Vom Treptower Park ist dann noch eine Verlängerung bis zur Frankfurter Allee geplant. Und wenn man dort angekommen ist, kann man auch gleich bis zur Seestraße weiterbauen.

Dabei dachte man, der Autobahnbau in Berlin ist ein Relikt aus den 60er und 70er Jahren. Zumal die Anzahl der zugelassenen PKWs in Berlin seit Jahren sinkt. Aber der rot-rote Senat sieht das anders, zumindest die SPD, die ja auch vor 30 Jahren schon den Autobahnbau inkl. Abriss ganzer Wohnquartiere zu verantworten hatte. Dass die Linkspartei den Bau der A100 eigentlich ablehnt, ist egal. Solange sie sich in der Koalition damit nicht durchsetzt, verantwortet sie das mit.

Immerhin gab es gestern im Senat eine Haushaltssperre für die Planungsmittel, bis zum Frühjahr soll eine aktualisierte Verkehrsprognose zu den Auswirkungen der Schnellstraße vorliegen. Erst dann wird entschieden, ob das Projekt weitergeführt oder gestoppt wird. Die Autobahngegner verbuchen diese Entscheidung schon als Teilerfolg.
Tatsächlich ist die Verlängerung der A100 sehr umstritten. Sie wurde sogar im Mai von den Deligierten des SPD-Parteitags mehrheitlich abgelehnt. Grüne und große Teile der Linksparten wollen die Autobahn ebenfalls nicht.
Aber es gibt auch Befürworter: Die CDU in Treptow hält die Strecke gar für zwingend erforderlich, um den Durchgangsverkehr in den Wohnstraßen zu verringern. Mit genau dem gleich Argument kommen aber auch die Autobahnkritiker, die meinen, dass eine Autobahn den Verkehr erst richtig anzieht.
30.000, 60.000, 100.000 Autos würden die A100-Verlängerung täglich nutzen, heißt es. Auch diese vorgebrachten Zahlen sind nicht eben verlässlich, ob die geplante Verkehrsprognose daran was ändert, darf man bezweifeln.


Von: Aro Kuhrt

(24. November 2009)

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KOMMENTARE:

  1. Sash am 24. November 2009 um 06:03 Uhr

    Ich bin nun ja als regelmäßiger Autofahrer sicher kein Gegner von Schnellstraßen an sich.
    Noch dazu wohne ich draußen in Marzahn, und kann somit behaupten, dass es mich persönlich nicht betrifft. Aber mitten in der Stadt die Autobahn zu erweitern halte ich für eine ziemlich beschissene Idee.
    Keine Frage, verkehrsmäßig würde es Berlin mehr oder minder gut tun, wenn eine Autobahn einen Teil auch des Innenstadtverkehrs aufnehmen könnte – aber ob sie das auf der Strecke tut?
    Ich habe meine Zweifel…

  2. Aro Kuhrt am 24. November 2009 um 06:30 Uhr

    Ja, auch ich fahre pro Schicht meist mehr als 100 Kilometer und eine schnellere Anbindung der Ost-City zur Autobahn wäre wirklich sehr praktisch.
    Andererseits muss die Stadt ja für die Menschen da sein, nicht für die Autos.
    Nach Fertigstellung der A113 haben sie gemerkt, dass ca. 30 Prozent mehr Autos darauf fahren, als vorher berechnet. Und das Adlergestell hat nur etwa 10% weniger Verkehr vorher hieß es »bis zu 35 Prozent weniger«.
    Autobahnen ziehen Verkehr an, er wird an manchen Stellen etwas weniger, aber an vielen Zubringerstraßen sehr viel mehr.

  3. dg am 24. November 2009 um 10:45 Uhr

    wer straßen sät, wird verkehr ernten.

    das ist eine alte weisheit, die sich immer wieder als wahr erweist.

    irgendwann werden die nachfolgenden generationen da stehen und sich fragen, was sich eigentlich die menschen damals gedacht haben mögen, als sie diese wahnsinnige verkehrsinfrastruktur gebaut haben.

  4. Tom am 24. November 2009 um 14:13 Uhr

    Viel wichtiger wäre es m.E. den abfließenden Verkehr so zu gestalten, dass er die Wohngebiete entlastet. So z.B. die A113 nicht auf die B96a abfließen zu lassen, sondern die mal geplante Schnellstraße entlang der Eisenbahntrasse (Wuhlheide) nach Hellersdorf/Lichtenberg zu überdenken.
    Von Tegel/Holzhauser bis Abfahrt Adlershof 20 Min., für die letzten 3 Km bis Köpenick 30 Min. Da fahr ich lieber S-Bahn (falls sie mal fährt) wenn ich nicht unbedingt das Auto nehmen muss.






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  • 1911 Riesige Friedens-Kundgebung mit 200.000 Teilnehmern im Treptower Park.
  • 1923 Einweihung des ersten Teils des Westhafens mit vorerst zwei Hafenbecken.
  • 1926 Eröffnung des Funkturms.
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