Ehrenbürgerschaft für Biermann?
Zwar fällt es gar nicht in seinen Aufgabenbereich, trotzdem hat sich Bundestagspräsident Norbert Lammert dafür ausgesprochen, dem Sänger und Dichter Wolf Biermann die Berliner Ehrenbürgerschaft zu verleihen. Erst im November hatte Biermann anlässlich seines 70. Geburtstags das Bundesverdienstkreuz erhalten.
Derzeit gibt es in Berlin rund 100 Ehrenbürger, fast alle sind bereits tot. Zahlreiche Ehrenbürgerschaften wurde posthum aberkannt, vor allem die von führenden Nazis 1948 sowie von bestimmten Kommunisten und Sowjetfunktionären 1992. Die Ehrenbürgerschaft ist eine Auszeichnung für eine Persönlichkeit, die sich in herausragender Weise um das Wohl oder Ansehen des Ortes verdient gemacht hat. Die EhrenbürÂgerurkunde wird üblicherweise persönlich überreicht, so dass die Annahme auch eine Ehrerweisung des Geehrten an die Stadt darstellt.
Wolf Biermann hat sich insofern für Berlin verdient gemacht, da er zu Zeiten der Teilung, der Wendezeit sowie des wieder Zusammenwachsens viele wichtige Beiträge unterschiedlicher Form geleistet hat. »Mir fällt kein Zweiter ein, bei dem sich das künstlerische Werk mit dem Beitrag zur politischen Entwicklung im geteilten und im wiedervereinigten Deutschland verbinden wie mit Wolf Biermann«, sagte Lammert. Bisher ist unklar, ob Biermann mit einer solchen Ehrung überhaupt einverstanden wäre.
Nicht einverstanden ist natürlich die Ex-DDR-Staatspartei, einst KPD, SED, PDS, derzeit Linkspartei: Ihr stellvertretender Fraktionschef Stefan Liebich behauptete als Gegenargument, dass Biermann nach der Wiedervereinigung »immer wieder Kriege befürwortet« habe. Biermann als Kriegstreiber? Unglaubwürdig, wenn ein solches Argument ausgerechnet von der Partei kommt, die einst die eigene Bevölkerung mit russischen Panzern niederwalzte, den russischen Einmarsch in die Tschechoslowakei und Ungarn begrüßte, die Militärjunta in Polen und den Krieg in Afghanistan unterstützte.
Von: Aro Kuhrt
(2. Dezember 2006)
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