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  • Extremisten im Weitlingkiez

    Die Gegend rund um die Weitlingstraße am Bahnhof Lichtenberg ist nicht besonders schön, wenn sich auch die Gewerbetreibenden und einige Anwohner redlich Mühe geben. Doch der Kiez hat ein Problem, und das nicht erst seit Kurzem. Schon zu DDR-Zeiten gab es hier gewaltsame Auseinandersetzungen, Berliner und auswärtige Hooligans prügelten sich, Rechtsradikale schlugen auf Punks ein oder auf vietnamesische Vertragsarbeiter.

    Unmittelbar nach der Wende erhielten junge Männer aus der Neonaziszene vom Bezirk zwei Wohnhäuser zugewiesen, ein weiteres wurde besetzt. An der Ecke zur Lückstraße entstand die Parteizentrale der »Nationalen Alternative«, einer Partei, die sich offen zum NS-Staat bekannte und erst nach einigen Jahren verboten wurde. Wer damals auf der Straße offen eine andere Meinung zur Schau trug, konnte sich sicher sein, zusammengeschlagen zu werden.
    Die Rechten in Lichtenberg und die Linken in Friedrichshain prallten in den 90er Jahren mehrmals hart aufeinander, bei einer dieser Auseinandersetzungen starb ein linker Hausbesetzer. Beim Versuch, die rechte Hochburg in der Weitlingstraße 122 zu stürmen, gab es zahlreiche Schwerverletzte, mehrere Lastwagen der Polizei brannten aus.
    Bis heute ist der Kiez von Rechtsextremisten durchsetzt, immer wieder werden Linke verprügelt, im Sommer und Ende September dieses Jahres traf es Abgeordnete der PDS. Letzten Freitag nahm die Polizei am Bahnhof 14 bewaffnete Neonazis fest.
    Doch auch die extreme Linke schlägt immer wieder zu. Am vergangenen Mittwoch traf es zwei junge Rechtsextreme, die krankenhausreif geprügelt wurden. Am 16. November zündeten Unbekannte das Auto eines Wirtes an, der in seiner Kneipe in der Weitlingstraße einen Neonazi-Treffpunkt betreibt. Auch hier geht die Polizei von Linksradikalen als Tätern aus.
    Was zieht die Extremisten seit bald 20 Jahren in die Weitlingstraße? Warum lassen Polizei und Bezirksamt zu, dass immer wieder Kneipen und Läden von Rechts- wie Linksextremisten eröffnet werden, obwohl man weiß, dass Infrastruktur die Szene anzieht? Warum geht sie nicht gegen den Treffpunkt der Neonazis in der Einbecker Straße vor?
    Seit Anfang Dezember fährt die Polizei nun zwischen Nöldnerplatz und Tierpark verstärkt Streife. Das allein kann aber nicht reichen. Es wird Zeit, dass hier eine Szene aufgeweicht wird!


    Artikel als PDF

    Von: Aro Kuhrt

    (5. Dezember 2006)

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