Dutschkes späte Rache
Nachdem die Berliner Boulevardblätter aus dem Axel-Springer-Verlag in übelster Weise zur Jagd auf den linken Studentenführer Rudi Dutschke aufgerufen hatten, zog der Mob in Form des Arbeiters Josef Bachmann los: Er schoss am 11. April 1968 dreimal auf Dutschke und verletzte ihn schwer. So schwer, dass das Opfer elf Jahre später an den Folgen des Attentats starb. Seitdem wurde der Kampf gegen die Springer-Presse immer mit dem Namen Dutschkes verbunden.
Nur wenige hundert Meter vom Axel-Springer-Verlag kaufte die alternative Tageszeitung (taz) in den 80er Jahren ein Gebäude, nun standen sich die beiden politischen Kontrahenten wie in der selben Straße gegenüber – Wildwest in West-Berlin. Die taz (Kochstr. 18) nannte ihr Gebäude »Rudi-Dutschke-Haus«, der Springer-Verlag (Kochstr. 50) verlegte seinen Eingang Richtung Osten. Hier war der nördliche Teil der Lindenstraße in Axel-Springer-Straße umbenannt worden, da wollte der Verlag natürlich auch diese Adresse nutzen.
Die taz kämpfte für eine Umbenennung der Kochstraße und seit heute Abend sieht es so aus, dass sie gewonnen hat. Denn der BVV-Beschluss zur teilweisen Umbenennung der Kochstraße (von Springer-Verlag bis zur taz) wurde natürlich von rechts bekämpft. Vor allem die CDU legte sich ins Zeug, doch ein Volksbegehren scheiterte: 57,1 Prozent stimmten heute im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg für die Rudi-Dutschke-Straße. Damit hat die taz nun ihren Dutschke, Springer seinen Springer und eine wichtige umstrittene Persönlichkeit des 60er-Jahre-West-Berlins eine Straße zum Gedenken.
Von: Aro Kuhrt
(21. Januar 2007)
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