Ich verzichte auf meine Anonymität

Nein, das tue ich nicht. Ich lebe ja nicht in Schweden, wo das Öffentlichkeitsprinzip (Recht aller Mitbürger, bei Behörden und Ämtern in alle Akten, Dokumente und Computerdaten Einsicht nehmen zu können) seit 250 Jahren in der Verfassung verankert ist. Alle in einer Behörde vorhandenen Daten über eine Person sind für jeden zugänglich.
Wen das nicht stört, der kann sich ja bei Blippy anmelden. Das ist ein Dienst im Internet, mit dem man seine Anonymität in Konsumfragen aufgibt: »Auf lustige und einfache Weise sehen und diskutieren, was die Leute kaufen.« Und das ist ernst gemeint. Man gibt dort seine Kreditkartennummer ein, seine Zugangsdaten bei eBay, Amazon und 14 weiteren Einkaufsportalen, und schon kann jeder sehen, wofür man wo was bezahlt. Neben dem Benutzernamen erscheint die gekaufte Ware oder Software sowie die Website, über die man etwas erworben hat. Und weil es schickes Web 2.0 ist, kann jeder einzelne Kauf sogar kommentiert werden.
Weil dieser Exhibitionismus noch nicht reicht, muss man nur auf den Benutzernamen klicken, um alle Einkäufe desjenigen aufgelistet zu kriegen. Wie bei Twitter kann man einzelne User sogar als Follower beobachten. Eigentlich fehlt nur noch die Funktion, dass die Kreditkartennummer ebenfalls angezeigt werden. Natürlich zusammen mit der PIN.
Von: Aro Kuhrt
(13. Februar 2010)
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