Rechte lernen bei Autonomen

Natürlich war das Geschrei groß, als in den vergangenen Tagen in Kreuzberg und Neukölln Steine in die Scheiben von linken Geschäften eingeworfen und die Türschlösser verklebt wurden. Diese Angriffe gehen vermutlich von Rechtsextremisten aus, auch wenn das noch nicht sicher ist, denn anders als bei vergleichbaren Aktionen wurden offenbar keine Hakenkreuze oder andere Symbole aus diesem Spektrum geschmiert.
Trotzdem kommt nun bei manchen Kreuzbergern die Angst hoch. Verständlich, denn bisher gab es »im Kiez« selten Ärger mit deutschen Neonazis. Und dass die türkische Faschisten-Organisation »Graue Wölfe« rund um die Oranienstraße schon seit Jahrzehnten aktiv ist, bemerken die Herrschaften aus deutschen Landen nicht. Oder es ist ihnen egal, denn wer seine Augen nicht davor verschließt, kommt gar nicht an dieser Tatsache vorbei. Aber soweit geht die internationale Solidarität wohl nicht, sich auch noch mit den Opfern ausländischer Faschisten zu beschäftigen.
Nun aber, wo auch deutsche Linken mitten in ihrem Zentrum Ziel von wahrscheinlich rechten Angriffen sind, schreien sie auf. Dabei gibt es Anschläge von der linken Seite in Berlin doch schon seit etlichen Jahren. Die Täter haben allein im vergangenen Jahr rund 250 Autos angezündet, viele davon in Kreuzberg. Mal waren es Fahrzeuge von unliebsamen Firmen oder dem Ordnungsamt, mal von vermeindlichen Rechten oder von Leuten, die es sich leisten konnten, protzige Autos zu kaufen. Und oft brannten die daneben stehenden Fahrzeuge gleich mit aus, auch wenn sie nur einfachen Leuten gehörten, die sich keine Vollkasko-Versicherung leisten können (anders als die Eigentümer der teuren Karossen). Was ist der Unterschied zwischen diesem Terror der Linksextremen und dem der Neonazis?
Die Autonomen haben es den Rechten ja vorgemacht, dass man den Gegner am besten vor der eigenen Haustür angreift, da ist das Einschüchterungspotenzial am Größten. Insofern haben die Rechtsradikalen nur von ihnen gelernt. Aber wie so oft wird auch in diesem Fall wieder mit ungleichem Maß gemessen. Was den linken Autonomen verziehen wird, wird bei den rechten verurteilt. Glaubwürdig ist das nicht. Und ein Solidarisierungseffekt kommt so nur schwerlich auf.
Von: Aro Kuhrt
(15. März 2010)
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Kreuzberg, Linksextreme, Politik, RechtsextremismusKOMMENTARE:
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Es geschah in Berlin am 08.02. |












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Hmm…
Inwiefern jemand schon scheiße ist, weil er sich ein teures Auto kauft, sei mal dahingestellt. Dass »Kollateralschäden« bisweilen von linker Seite hingenommen werden, ist definitiv ziemlich asozial.
Ich finde es dennoch nicht gut, rechte und linke Gewalt gleichzusetzen.
Dass es ziemlich verfehlte Aktionen der Linken gibt: Klar!
Die Gewaltfrage ist zudem nach wie vor nicht ohne Grund umstritten. Die habe ich für mich selbst auch noch nicht abschließend beantwortet.
Aber was danach übrig bleibt, ist doch die Tatsache, dass rechte Gewalt oftmals Opfer hat, die in keinster Weise irgendwas dafür können, dass sie Opfer wurden. Das sehe ich so bei den Linken immerhin nicht. Zumindest nicht absichtlich.
Ich möchte kein Faß aufmachen wegen ein bisschen gegenseitiger Neckerei (was anderes sind kaputte Türen und Fenster ja wohl zumeist nicht), und übermäßig heulen wegen vergleichsweise »fairen« Gegenaktionen will ich auch nicht – aber die Tendenz des Artikels finde ich unpassend.
Nun Sash, ich kenne leider nach mehr als zehn Jahren Zugehörigkeit viel zu viel Leute, die genau solche Killermentalitäten haben wie die Neonazis. Das war genau der Grund, weshalb ich dort raus bin, weil mich diese selbstverständliche Gewaltbereitschaft nur noch angekotzt hat. Ich habe in meinen einstigen Genossen/Freunden/Keine-Ahnung-wie-ich-sie-nennen-soll die gleiche Intoleranz und Brutalität gesehen, wie bei den Nazis. Ich war bei Dutzenden von Auseinandersetzungen und irgendwann wusste ich nicht mehr, wieso ich überhaupt noch auf einer der Seiten bin. Es war austauschbar.
Sicher gibt es Unterschiede. Den Nazis reicht schon dunkle Hautfarbe, um jemanden zu verprügeln. Aber ich habe auch »Antifa«-Angriffe gegen Sozialdemokraten und Gewerkschaftler miterlebt, mit Knüppeln und Totschlägern, weil diese als »Sozialfaschisten« angesehen wurden.
Solche Unterschiede sind in meinen Augen aber marginal, die grundlegende Einstellung zu Leuten, die anders sind, ist gleich. Einem unpolitischem Ex-Chef wurden die Scheiben eingeworfen, er wurde als Nazi diffamiert und zusammengeschlagen, nur weil er es gewagt hat, Antifaplakate abzumachen, die nachts an die Schaufensterscheibe seines Ladens geklebt wurden. Jemand aus einer befreundeten Gruppe hat am Kottbusser Damm einen Menschen beim Republikaner-Treffen erstochen, einen rechtsradikalen Spießer. Und die gesamte Szene hat das geklatscht und eine Riesenkampagne für ihn gestartet – erfolgreich. Mir kommt einfach nur das Kotzen, wenn ich mitkriege, wie Gewalt von links immer und immer wieder verharmlost wird.
Andererseits weiß ich, dass mindestens eines der Opfer der jetzigen Anschläge kein Autonomer ist, sondern ein Anarchist, den ich seit 30 Jahren kenne. Nicht nur deshalb akzeptiere ich in keiner Weise die Angriffe von letzter Woche. Wenn das so rüberkommt, war das nicht beabsichtigt.
Trotzdem sind die Szenen Autonome und Neonazis für mich nicht viel unterschiedlicher als die der Bandidos und Hells Angels. Sorry, aber dafür habe ich von beiden Seite einfach zu viel Scheiße unmittelbar mitgekriegt.
Ich kann deine Einstellung in Anbetracht solcher Erlebnisse sehr gut nachvollziehen.
Vielleicht hatte ich Glück, denn ich hab die linke Szene definitiv anders kennengelernt.
Und das auch nicht als unbeteiligter und einfach nur beeindruckter Beobachter.
Für mich prägend waren eher die Erfahrungen, dass ein eindeutiger Nazi (auf einer entsprechenden Demo) nicht geschlagen wurde, weil er offensichtlich von jemand anders schon eine mitbekommen hat oder dass Polizisten nach Entwendung ihrer Dienstembleme gesagt wurde, sie können jetzt gehen, weil sie als Mensch nicht Ziel eines Angriffes sind.
Also Formen der Gewalt, die mehr als nur eindeutig klargemacht haben, dass es sich um eine politische Aktion handelt, bei denen zum einen keiner zu Tode kommen soll, zum anderen auch kein Unbeteiligter leiden soll.
Du kannst dir sicher sein, dass ich Gewalt in der Regel ablehne. Und die von dir geschilderten Sachen will ich auch nicht gutheißen!
In diesem Punkt sind wir uns ganz sicher einig!
Ich wollte viel mehr bemängeln, dass der Artikel insgesamt so gelesen werden könnte, dass es grundsätzlich egal wäre, wer was macht.
Wir brauchen sicher nicht darüber streiten, dass es scheiße ist, wenn Unschuldige zu Opfern werden.
»Was ist der Unterschied zwischen diesem Terror der Linksextremen und dem der Neonazis?«
Ich sehe schon einen Unterschied zwischen einem »Bordsteinkick« und einem brennenden Auto. Obwohl ich mich auch von brennenden Autos distanziere. Bei der Gewalt von Rechts werden einfach viel mehr Menschen verletzt als bei Linker Gewalt. Schon alleine die Gewaltätigkeiten gegenüber anders farbigen Menschen ist für mich ein klarer qualitativer Unterschied. Allerdings gibt es und damit hast Du recht, überall Schwachköpfe, die alleine um der Randale Willen schwachsinnige Aktionen starten. Trotzdem differenziere ich zwischen einer eingeschlagenen Scheibe und einem eingeschlagenen Schädel.
Es gab auch von linksextremer Seite Morde, gezielte und »in Kauf genommene«. Sowohl von den Autonomen, als auch von der RAF. Von qualitativen Unterschieden zu sprechen halte ich für schwierig, die Terroristen waren jedenfalls sicher besser organisiert als die Neonazis.
Ne, ich kann wirklich nicht sagen, dass die einen weniger schlimm ist als die anderen.
http://www.mut-gegen-rechte-gewalt.de/news/chronik-der-gewalt/149-todesopfer/
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Ich lehne Terror, als Form der Gewalt, immer ab. Egal ob von Links oder Rechts. Welchem Ziel soll das dienen, wenn eine Scheibe eingeschlagen, oder ein Auto angezündet wird? Diese Provokationen, mehr sind das ja nicht, rufen eine Reaktion der Staatsgewalt hervor, der man nicht gewachsen ist. Ich hatte bei den Demos den Eindruck dass bei diesen Aktionen sehr, sehr persönliche Motive eine große Rolle spielen. Etwa wie Frust ablassen oder ein kurzzeitiges Gefühl von Macht. Genau kann ich mir die Motive nicht erklären.
Wenn Menschen das Ziel von Anschlägen sind, ist das in den seltensten Fällen der Weg zu politischem Erfolg. Das Abschaffen der Funktion ist das revolutionäre Ziel, nicht das „Abschaffen“ einer Person.
@ Klaus
Was willst Du mit dem Link sagen? Dass die Nazis mehr Menschen umgebracht haben, weiß ich wohl. Macht das aber die andere Seite harmloser?
Ich will damit sagen, dass es für mich einen Unterschied gibt zwischen rechts- und linksextremistischer Gewalt. Ich würde die nicht in den gleichen Topf werfen. Ich betrachte die Töpfe getrennt. Wenn es in dieser Größenordnung um Menschenleben geht (obiger Link), ist das eine andere Dimension, als abgefackelte Autos. Obwohl ich diese gar nicht verharmlosen will.
Kommentar gesperrt wegen Aufruf zu Straftaten.
> Kommentar gesperrt wegen Aufruf zu Straftaten.
Sollte keine Aufforderung sein, ausserdem fehlt der konkrete Tatplan, daher keine Straftat.
Korrigierte Version:
Neonazis sind nicht repräsentativ für “die Rechte”. Das sich Rechte mit den gleichen Methoden wehren mit denen die Linke agiert finde ich nachvollziehbar. Linksextremisten greifen auch moderate rechte Parteien und Politiker an, und verhindern so das sich eine demokratische Rechte etablieren kann. Solange andererseits linke Organisationen und Parteien sicher sind, wird sich daran nichts ändern.