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  • Auch Immigranten werden alt

    Berlin-Kreuzberg, ein Spaziergang durch den Bezirk zeigt: Hier machen Migranten einen großen Teil der Bevölkerung aus. Vor allem Türken und Kurden, aber auch Araber und Bosnier leben hier zu Tausenden. Viele von ihnen sind schon seit mehreren Jahrzehnten hier, als die deutsche Nachkriegs-Wirtschaft immer mehr Arbeiter brauchte. »Gastarbeiter« nannte man sie damals, doch sie kamen nicht als Gäste, sondern blieben als Bewohner. Und sie alterten gemeinsam mit ihren Kollegen.

    Die meisten aus der ersten Immigranten-Generation sind mittlerweile Rentner. Und da sie schon längst nicht mehr in ihre ursprüngliche Heimat zurück können, werden sie bis zu ihrem Tod in Deutschland wohnen bleiben.
    Doch gerade für ausländische Alte gibt es nur eine unzureichende Pflegestruktur. In die üblichen Alten- und Pflegeheime möchten viele nicht, weil sie dort nicht ihrer Kultur gemäß leben können.
    Dies will das Kreuzberger »Marienhaus« anders machen. Obwohl es eine katholische Einrichtung ist, sollen die speziellen Bedürfnisse moslemischer Heimbewohner berücksichtigt werden. Das beginnt beim Speiseplan, geht über mehrsprachige Hinweisschilder, dem Angebot türkischer Zeitungen bis hin zu männlichem Pflegepersonal, da sich vor allem muslimische Männer nicht gerne von Frauen waschen oder anziehen lassen. Auch türkischsprachige Mediziner und Therapeuten kommen ins Haus. Trotz allem ist das Marienhaus kein »Türken-Altenheim«, prozentual leben hier mehr Deutsche, als in der Nachbarschaft.
    Das ist im Türk Huzur Evi (»Türkisches Haus zum Wohlfühlen«) anders. In diesem Pflegeheim, das Ende 2006 ebenfalls in Kreuzberg eröffnete, werden nur türkische Immigranten aufgenommen. Das Personal muss deutsch und türkisch sprechen, die Einrichtung ist auf muslimische Bedürfnisse zugeschnitten. Es gibt einen Gebetsraum und in allen Zimmern Fußwaschbecken für die rituelle Reinigung vor dem Gebet.
    Mit Einrichtungen wie diesen beiden werden nun auch den Immigranten Angebote gemacht, die für Deutsche längst selbstverständlich sind: Orte, in denen man seinen letzten Lebensabschnitt angemessen leben kann.


    Artikel als PDF

    Von: Aro Kuhrt

    (23. April 2007)

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