Berlin bekommt ein neues Schloss
Vermutlich ist Berlin eine der Städte mit den meisten Schlössern. Charlottenburg, Wendenschloss, Niederschönhausen, Köpenick, Humboldt-Schlösschen und zwei Handvoll weiterer, die oft allerdings eher Gutshäuser waren, aber trotzdem Schloss heißen. Das Berliner Schloss, das innerhalb von 500 Jahren errichtet und 1950 abgerissen wurde, war aber das wichtigste Gebäude der Stadt.
Nun ist Berlin wieder im Schloss-Fieber! Nachdem die Bundesregierung den Wiederaufbau des alten Stadtschlosses an der Stelle des Republikpalastes beschlossen hat, zu dem das Bundesland nur den Schnäppchenpreis von 32 Millionen Euro zugeben muss, boomt das Schlossfieber. Zwar werden Schlösser normalerweise für Fürsten, Könige, Kaiser gebaut, aber mangels solchen wird nun über eine andere Nutzung diskutiert. Nicht dass wir ein neues Schloss bräuchten oder dass der wahrscheinliche Hauptnutzer, die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, bisher obdachlos wäre – egal, es wird gebaut. Offenbar hat sich die Bundesregierung von der Prestigesucht der letzten Regierenden Bürgermeister anstecken lassen. Wenn aber nun ein neues Schloss gebaut wird, selbst wenn es nicht Schloss heißen soll, sondern »Humboldt-Forum«, dann sollte bitte schön auch wieder eine Monarchie eingeführt werden. Und König Klaus I. wird unser erster Regent und kommt dann endlich auch auf die Titelseiten von »Bunte« und »Goldenes Blatt«.
Von: Aro Kuhrt
(27. April 2007)
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