Profit statt Grün

Es ist nicht das erste Mal, dass in Berlin grüne Orte vernichtet werden, um dort Industrie oder anderes Gewerbe anzusiedeln. Die Lebensqualität in der Großstadt wurde schon immer dem Profit von denjenigen geopfert, die es sich leisten können. Aktuell ist das zum Beispiel an der Spree zwischen Kreuzberg und Friedrichshain zu beobachten, wo für das Projekt »Media Spree« ein beliebter Platz am Wasser nach dem anderen zerstört und mit Geschäftshäusern zugebaut wird. Dagegen regt sich seit Jahren Widerstand, Tausende von Erholungssuchenden, Anwohnern und gewohnheitsmäßigen Protestieren haben es geschafft, sogar einen Streit zwischen dem Bezirk und Senat zu schüren, so dass nun wenigstens einige Kompromisse rausgeschlagen wurden.
Das ist am anderen Ende der Innenstadt nicht zu erwarten. Hier in Moabit West, am Charlottenburger Verbindungskanal, soll still und leise ein etwa 200 Meter langes Stück des Neuen Ufers praktisch vernichtet werden. Es ist geplant, eine Anlage zur Schiffsbeladung zu errichten, wo sich derzeit noch ein Spazierweg mit anschließender Grünfläche zum Ufer befindet. Auf beiden Seiten des Kanals, der gleichzeitig die Grenze zu Charlottenburg markiert, ist das Ufer zwar ungepflegt, aber bei den Nachbarn beliebt, sei es zum Sonnenbaden, Angeln oder zum Spielen mit den Kindern. Die alte Ufermauer gibt dem wenig befahrenen Kanal eine eigene Atmosphäre, gerade in den warmen Monaten ist es ein netter Ort zum Ausspannen.
Noch in diesem Jahr will sich Siemens den Ort für ein Verladekai einverleiben. Wenige hundert Meter weiter werden riesige Turbinen hergestellt und über den Westhafen in die ganze Welt verschifft. Bisher werden die bis zu acht Meter breiten Teile mit Tiefladern zum Hafen gebracht und dort verladen. Größere Geräte bringen mehr Geld und Siemens will hier nun die größten Turbinen der Welt herstellen. Da sie diese nach eigenen Angaben mit 600 Tonnen nicht mehr über Brücken transportieren kann, sollen sie nun direkt vom Werk zum Kanal gebracht und von dort weiter verschifft werden. Mit der Zusage, ein Ausstellungsgebäude zu finanzieren, wurde der Bezirk offenbar gefügig gemacht. Dass damit dieser grüne Ruhepunkt zerstört wird, gilt wahrscheinlich nur als Kollateralschaden. Aber die sind im Moment ja eh in Mode.
Von: Aro Kuhrt
(22. Mai 2010)
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