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Böse Jugend

Was ist eigentlich mit den Kids los, knallen die jetzt alle durch? Nachdem die Lehrer in der Neuköllner Rütli-Schule im Frühjahr Alarm geschlagen haben, ging es im Mai erst richtig los: Vier Jugendliche zwischen 13 und 15 Jahren vergewaltigten im Park eine Mitschülerin.

Bei der Eröffnungsparty zum Hauptbahnhof stach ein 16-Jähriger mit einem Messer auf mehr als 40 Menschen ein. Ein 12-jähriger Schüler schlug eine Lehrerin nieder, ein anderer, im Alter von 14 Jahren, bedrohte Lehrer mit dem Messer. Ein Mädchen kam sogar mit einer scharfen Pistole in die Schule. In den 80er Jahren sprach man von der No-Future-Generation, heute versauen sich viele Jugendliche ihre Zukunft selbst.
Lange Zeit wurde das Problem einer gewalttätigen Jugend nicht ernstgenommen, das Phänomen sollte auf Randgruppen wie Neonazis und Gangbanger reduziert werden. Doch so einfach ist es nicht. Wer den Jugendlichen durch massive Schließung von Jugendclubs Räume nimmt, in denen sie sich betreut entwickeln können, braucht sich nicht zu wundern, wenn sie allein und auf der Straße gewalttätig werden. Zumal die Wirtschaft es nicht auf die Reihe kriegt, ausreichend Lehrstellen zur Verfügung zu stellen und damit wirklich eine No-Future-Generation heranzüchtet.
Der Berufsverband Deutscher Psychologen fordert seit Jahren, dass es in Deutschland für jede Schule mindestens einen speziell ausgebildeten Psychologen gibt, der den Schülern als Ansprechpartner dient und problematische Entwicklungen erkennt und ihnen entgegensteuern kann. Doch die Kulturministerien der Länder sparen stattdessen sogar bereits vorhandene Stellen ein, neue werden so gut wie nirgends geschaffen. Wenn man aber die Jugendlichen allein und oft ohne Perspektive lässt, ist eine Verrohung vorprogrammiert. Das Geld, das der Staat durch diese mangelnde Betreuung spart, muss er später für Knastplätze und Resozialisierungsprogramme mehrfach zahlen. Vom moralischen Bankrott ganz zu schweigen.


Von: Aro Kuhrt

(1. Juni 2006)

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