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  • Leichenfotos im Müll

    Wir kennen die grünen Lieferwagen mit der Luftansaugung auf dem Dach und der weißen Aufschrift »Gerichtsmedizin«, die vor allem in Moabit auffällig oft unterwegs sind. Sie gehören zum städtischen Leichenschauhaus, das im vergangenen Jahr von der Invaliden- in die Birkenstraße umgezogen ist. Das alte Haus neben dem Hauptbahnhof stand seitdem leer. Nun wird es abgerissen und plötzlich wird aus dem einst so zurückgezogenen Gebäude ein Hort der Offenheit: Bauarbeiter und spielende Kinder fanden bergeweise Unterlagen, teilweise nur wenige Jahre alt. Da fliegen Obduktionsberichte und Röntgenbilder umher, dazwischen sogar Fotos von einzelnen Körperteilen.
    In dem Leichenschauhaus wurden 31 Jahre lang um etwa 1000 Tote pro Jahr aufgebahrt, aufgeschnitten und obduziert. Da diese Operationen dokumentiert werden, fallen zahlreiche Unterlagen an. Dazu kommen Gerichtsakten und polizeiliche Unterlagen. Beim Umzug wurden diese offenbar vergessen oder absichtlich zurückgelassen. Und so findet man nun ordnerweise Akten von Mordfällen, garniert mit Fotos und Röntgenbilder. Wer sich also unmittelbaren Eindruck von der Arbeit der Mordkommission oder der Gerichtsmediziner machen will, kann dies in der Invalidenstraße 59 tun. Dort herrscht nicht nur Tag der Offenen Tür, sondern auch der offenen Akten.


    Artikel als PDF

    Von: Aro Kuhrt

    (18. August 2007)

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