Erhöhte Puffsterbgefahr
Sie sind eine Institution wie die Siegessäule, auch wenn die Damen dort eher weniger am Körper tragen, als die Victoria: Wohnungsbordelle sind für Prostituierte eine Alternative zu den größeren Puffs, die oft von zwielichten Herren betrieben werden und wo Freier wie Huren Angst haben müssen, abgezockt zu werden. In den Wohnungen arbeiten die Damen auf eigene Rechnung, bis zu drei oder vier Frauen teilen sich ein solches Etablissement. Es gibt dort meist keine Bars, der Verkauf von Alkohol und Drogen zur Umsatzsteigerung ist verpönt. Auch die Nachbarn haben in der Regel keine Probleme mit den kleinen Unternehmen, da es keine lauten Partys gibt und keine Türsteher, die die Passanten belästigen.
Seit einigen Monaten aber haben ein paar Bezirke die Kleinbordelle als Feindbild entdeckt: In Charlottenburg und Schöneberg, Tempelhof und Schöneberg verschicken die Bauämter massenweise Briefe, in denen sie die sofortige Schließung der Puffs fordern. Grundlage dafür ist ein Senatsbeschluss von 1983, der Bordelle in Wohn- oder Mischgebieten verbietet. Doch in den vergangenen 24 Jahren wurde dieser Beschluss nie durchgesetzt, im Gegenteil: In all den Jahren konnten auch immer wieder neue »Clubs« eröffnen, so dass diese Duldung zur Normalität wurde.
Warum die Bezirksämter nun plötzlich solch eine harte Linie fahren, ist unklar. Selbst Wohnungsbordelle, die seit Jahrzehnten existieren und nie auffällig geworden sind, sollen nun schließen. Die Frauen dort stehen jetzt vor der Alternative, entweder gegen die Schließung zu klagen oder aber zu den größeren Einrichtungen zu gehen, in denen sie nicht mehr selbstbestimmt arbeiten können. Das ist ein großer Rückschritt in die Bemühungen, den Prostituierten ein Arbeiten ohne die die Abhängigkeit von Zuhältern zu ermöglichen.
Von: Aro Kuhrt
(8. September 2007)
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