Sprayer und Gegner mobilisieren
Am letzten April-Wochenende soll in Berlin unter der Schirmherrschaft des Regierenden Bürgermeisters Wowereit der »2. Internationale Anti-Graffiti-Kongress« stattfinden. Zu der Veranstaltung im Roten Rathaus werden 300 Teilnehmer aus zwölf europäischen Staaten sowie den USA erwartet. Der Verein »Nofitti« aus dem Prenzlauer Berg hat als Initiator des Kongresses auch den Wettbewerb »Graffitifreie Schule« gestartet
Parallel zu diesem Kongress mobilisiert auch die Sprayerszene nach Berlin. Sie beklagt vor allem die eigene Kriminalisierung und will bis zum 30. April Aktionstage abhalten. Dazu fand am Samstag eine Demonstration mit ca. 150 Teilnehmern statt, vor allem aber ist mit Aktionen in den Nächten zu rechnen.
Im Onlineforum der Graffitigegner findet rund um den Kongress eine virtuelle Schlacht statt, die Stimmung wird von beiden Seiten aufgeheizt. Während die Nofitti-Leute mit einer »sauberen Stadt« argumentieren, behaupten die Sprayer, sie würden nur graue Wände verschönern. Beides ist sicher nicht ehrlich. Die Graffitigegner machen den Eindruck, als wären sie gegen jeden Form der nichtkommerziellen Kultur. Sie machen sich verdächtig, eine Law-and-order-Politik zu bevorzugen. Die Sprayer argumentieren, ihre »Street Art« wäre eine Form der Kunst und ein Teil der Jugendkultur.
Sicher richtig ist ihr Argument, dass es ungerecht ist, dass zwar das Malen von Graffities verboten ist, nicht aber die Verschandelung der Stadt durch Werbung, teilweise sogar durch großflächige Reklameposter, die sich über mehrere Etagen erstrecken. Daraus leiten sie für sich das Recht ab, selber ihre Art von Werbung anzubringen. Tatsächlich aber ist es z.B. den Bus-Fahrgästen egal, warum sie nicht mehr hinausschauen können: Wegen der Werbung, die die BVG großflächig an ihre Busse klebt oder weil die Scheiben von angeblichen Künstlern mit deren Zeichen zerkrazt sind.
Dass viele Berliner sowohl von den hingeschmierten Graffities als auch von der überall präsenten Werbung genervt sind, stört beide Seiten nicht. Insofern wird sich auch keine Seite auf eine Diskussion einlassen oder auf die andere »Fraktion« eingehen. Es wird alles so bleiben, wie es ist.
Von: Aro Kuhrt
(23. April 2006)
Ähnliche Artikel:
- Keine ähnlichen Beiträge
KOMMENTARE:
Pinox
Es geschah in Berlin am 04.02. |











