Höffner: Eigene Autobahnzufahrt
Stellen Sie sich vor: Ein Arbeitsloser möchte sich selbstständig machen und eröffnet einen kleinen Laden in einer Seitenstraße. Da es dort aber keine Laufkundschaft gibt, verlangt er, dass die Straße verbreitert und damit interessanter für die Passanten und Autofahrer wird. Er bietet sogar seine Mitarbeit an. Das ist natürlich Blödsinn, werden Sie denken, da könnte ja jeder kommen. Falsch gedacht. Zwar kann nicht jeder kommen, schon gar nicht jeder Arbeitslose, aber wenn man genügend Geld hat, dann funktioniert es!
In aktuellen Fall ist es das Möbelhaus Höffner, das am Autobahndreieck Schöneberg eine Zufahrt speziell für die eigenen Kunden bauen möchte – und diese auch bekommt. Da der nördliche Teil des Autobahnkreuzes ursprünglich für die Weiterleitung der Westtangente errichtet wurde, mangels Westtangente aber nicht genutzt wird, wollte sie selber von dort einen Abzweig zum eigenen Gelände bauen. Das ist laut Gesetz aber nicht erlaubt, denn Autobahnen sind Bundesangelegenheiten. Also musste sich das Bundesbauministerium damit befassen und erkannte eine »verkehrliche Notwendigkeit«. Bundesverkehrsstraßen dürfen aber nur aus öffentlichen Mitteln finanziert werden, also muss nun der Steuerzahler für die etwa eine halbe Million Euro teure Zufahrt blechen. »Begründet« wird das mit dem erwarteten zusätzlichem Verkehr zum neuen Fernbahnhof Papestraße (ab Mai: »Südkreuz«). Dieser wird allerdings nicht über diesen Straßenabschnitt geführt und hat so auch nichts mit dem Autoverkehr zum Möbel-Center zu tun. Zumal kaum damit zu rechnen ist, dass dort täglich Tausende mit dem Auto ankommen werden.
Aber mittlerweile ist alles beschlossen, der Bau beginnt, Ende dieses Jahres ist die Zufahrt fertig. Anders übrigens als das Möbelhaus: Hier existiert bisher nur eine Baugrube, die Arbeiten ruhen, weil es Unstimmigkeiten gibt zwischen der Verwaltung und der Firma Höffner. Es bleibt also noch Platz für böse Überraschungen. Aus dem Autobahndreieck wird trotzd ein Kreuz, mit Spuren in Richtung Wilmersdorf, Steglitz, Tempelhof und – eventuell – Möbel Höffner. Nur der Arbeitslose wird für seinem Laden keine neuen Kunden finden. So ist das, wenn man kein Geld hat.
Von: Aro Kuhrt
(18. April 2006)
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