Modewoche im Ghetto
An diesem Wochenende begann die Berliner Modewoche »Fashion Week«, zahlreiche Modemacher von Boss bis Unbekannt führen ihre Werke und Verbrechen vor, feiern Partys und geben sich wichtig: Til Schweiger und Boris Becker gaben bei der Eröffnungsveranstaltung das Niveau vor.
Aber es geht auch anders: Erstmals wird die nördliche Brunnenstraße im Wedding mit einbezogen, die dortige Wohnbaugesellschaft DeGeWo hat dafür gesorgt, dass ausreichend Läden zur Verfügung stehen. Nachbarn sagen, dass sogar extra Ladeninhabern gekündigt wurde. Der Ableger im Hartz-IV-Ghetto nennt sich »Wedding Dress #2« und ist in 25 Geschäften sogar bis zum 10. Februar vertreten. Das Bild ist allerdings gewöhnungsbedürftig: Etwas ratlos umherirrende Mitte-Boys und -Girls zwischen Kiezkids und verschleierten Türkenmuttis, aber es ist mal was anderes. Ob jedoch das Ziel, »die Bandbreite der künftigen Entwicklung des Brunnenviertels im Berliner Stadtteil Wedding erlebbar zu machen, zu inspirieren und den Diskurs mit Planern, Kreativen, Politikern, Architekten und Anwohnern anzuregen« wirklich erreicht wird, bleibt abzuwarten. Vielleicht ist das für eine Mode-Ausstellung auch etwas zu viel verlangt.
Von: Aro Kuhrt
(28. Januar 2008)
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