Startbahnküsser hoffen
Jetzt haben die Gegner der Schließung des Flughafens Tempelhof kurz vor Ablauf der Frist doch noch die 170.000 Unterschriften zusammenbekommen, die sie zum Start eines Volksentscheids benötigen. Allerdings wollen sie in den nächsten Tagen noch weiter sammeln, da noch nicht klar ist, wieviel der bisherigen Unterschriften überhaupt gültig sind. Wird das Volksbegehren anerkannt, müssen etwa im Mai oder Juni über 600.000 Berliner an einer Abstimmung teilnehmen.
Dabei ist mir nicht klar, warum man für den Erhalt des Flughafens stimmen sollte. Die Propagandaplakate verbreiten jedenfalls keine überzeugenden Argumente, sie verweisen vor allem auf die Geschichte des Ortes. Aber wieso soll ein Flugplatz nicht geschlossen werden, nur weil er vor 60 Jahren der Luftbrücke diente? Was hat das mit heute zu tun? Haben die Initiatoren vielleicht Angst, dass bald wieder eine Luftbrücke benötigt gebraucht wird und Tegel dann nicht ausreicht?
Klar, dass sich auch die politische Opposition in Form von Pflüger zu Wort meldet, auf bekannte unsachliche Art. So steht auch auf den CDU-Plakaten kein Argument für die Offenhaltung des THF, sondern nur »Ja zu Tempelhof, Nein zur Arroganz«. Abgesehen davon, dass sich die CDU in punkto Arroganz nicht von SPD oder PDS unterscheidet, so ist es doch eine Umkehrung der Tatsachen: Arrogant ist es von einer »Volkspartei«, eine Maßnahme durchdrücken zu wollen, die gerade mal von 5 Prozent der Bevölkerung unterstützt wird. Selbst wenn man Kinder, Ausländer und Bettlägrige abzieht bleiben es immer noch nur 10 %, die ihren Willen zum Erhalt des Flughafens bezeugt haben. Anders sieht es jedoch in meiner Familie aus: eine Umfrage hat dort ergeben, dass 80 Prozent aller Befragten (Brüder, Mama und ihr Freund) gegen eine Schließung sind, 20 % (nämlich ich) ist es schnurzpiepegal.
Trotz dieses überwältigenden Siegs der Flughafenfreunde ist kaum zu erwarten, dass Wowereit im Oktober einen Rückzieher macht. Selbst wenn der Volksentscheid in einigen Monaten für den Erhalt ausfällt, heißt das nichts anderes, als dass das Abgeordnetenhaus nochmal über die Schließung diskutieren muss. Mehr nicht. Seien wir also realistisch und überlegen, was man stattdessen mit den imposanten Gebäuden und der großen Fläche anfangen kann. Ideen dafür gibt es ja schon viele, es ist nur fraglich, ob die Vorschläge auch finanzierbar sind.
Übrigens: In drei bis vier Jahren soll mit Tegel der nächste Flughafen geschlossen werden. Das ist dann nach Johannisthal, Staaken, Gatow und Tempelhof der fünfte. Ich lasse schon mal die Unterschriftenlisten drucken.
Von: Aro Kuhrt
(1. Februar 2008)
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