Isch bin ein Berliner

Ihr Völker der Welt! Schaut auf diese Stadt! Ich bin ein Berliner! Waaahnsinn! Hach, da bekomme ich gleich wieder so einen Gänsehaut-Pathetischen. Auch wenn Wowereit uns noch bis zum 11. März warten lassen will, jetzt ist er raus: Laut kompetenter Berlinmedien wie der Abendschau ist der neue Slogan zur Hauptstadtwerbung »Be Berlin«. Das hört sich zwar fast so an wie »Du bist Deutschland«, aber es ist ja viel internationaler, weil englisch. Nun sollte sich diese Website über englische Bezeichnungen lieber nicht aufregen, aber: Wenn »Be Berlin« richtig übersetzt »Sei Berlin« heißt, dann geht das doch an mindestens 99 Prozent der Einheimischen vorbei. Schließlich sprechen die hauptsächlich deutsch, türkisch und schwäbisch. Richtig Motherspeak-Engländer gibts es hier doch so viele nicht.
Außerdem stand in der Ausschreibung für die neue Hauptstadt-Werbekampagne: »Für den Slogan ist die deutsche Sprache zu wählen, er soll in die wichtigsten Fremdsprachen übersetzbar sein.« Nun ist deutsch in Berlin ja noch keine Fremdsprache, höchstens im tiefsten Bayern oder an der Nordeeküste. Aber egal, wichtig ist ja das Identifikationspotenzial des Slogans. Wenn ich da an »Berlin tut gut« denke (das muss so in den 80ern gewesen sein), dann ist »Be Berlin« schon mal ein Schritt nach vorn. Zumal er phonetisch auf das Metrosexuelle eines Teils der Bevölkerung anspielt. Bi-Berlin als propagandistisches Zugpferd fände ich gar nicht so schlecht. Wir sind wir ja so tolerant.
Angesichts der katastrophalen Berliner Haushaltslage kommt mir auch Shakespeares »To be or not to be« in den Sinn. Ob die Finanzen aber durch diese neue, mehr als 10 Millionen Euro teure Kampagne aufgebessert werden, bleibt abzuwarten. Dafür werden immerhin drei Agenturen beschäftigt.
Die Berlin Partner GmbH, die in die Werbung für unsere Stadt eingebunden ist, hat neben der Domain be-berlin.de noch die sei-berlin.de registriert. Das spricht auch für eine deutsche Version der Kampagne. Und vielleicht lesen wir den Slogan bald in noch viel mehr Sprachen und Schriften, in Sanskript, Tamil oder Arabisch sieht das sicher ganz schick aus. Und wenn es jemanden hierher zieht, um auch Berlin zu sein, dann ists ja gut.
Von: Aro Kuhrt
(23. Februar 2008)
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