Böser Thilo
Es gibt heutzutage in der Politik viel zu wenig Rebellen. Ob Abgeordnete oder Regierende, kaum jemand verlässt die vorgegebenen Bahnen, die Benimmregeln sind anerkannt. Leute wie Herbert Wehner, Franz-Josef Strauß oder Joschka Fischer (»Herr Präsident, Sie sind ein Arschloch«) sind seltene und erfrischende Ausnahmen.Anders in Berlin: Hier haben wir Thilo Sarrazin, Finanzsenator und Prügelknabe der verlogenen Presse, die ihn wegen ehrlicher Äußerungen an den Pranger der Scheinheiligkeit stellt. Traurig, dass sich selbst Mitglieder der eigenen Partei von ihm distanzieren.
Was hat der böse Sarrazin getan? Vor einigen Tagen sagte er bei einem Empfang, dass bayrische Schüler ohne Abschluss mehr können als Berliner mit Abschluss. Vielleicht stimmt diese Äußerung sogar, den PISA-Ergebnissen nach ist das nicht unwahrscheinlich. Aber ein Berliner Senator darf sowas nicht sagen, das ist ja Nestbeschmutzung. Landeselternausschuss, die Lehrer-Gewerkschaft GEW und andere reagierten wie erwartet empört. Die GEW-Sprecherin verlangte sogar, dass er Berlin verlassen solle. Soviel zum Thema Toleranz gegenüber Andersdenkenden. Leider ruderte Sarrazin dann zurück und bezeichnete seine Äußerung als Scherz am Rande der Veranstaltung.
Es ist auch erst wenige Wochen her, dass er schon mal als böser Bube da stand. Da rechnete er vor, dass sich ein Hartz-IV-Empfänger von täglich 4,25 EUR ausreichend und gesund ernähren könne. Dazu lieferte er gleich einen Speiseplan mit, was sofort eine allgemeine Empörung auslöste. Ihm wurde Zynismus vorgeworfen und dass er die Armen verhöhnen würde.
Ich kann Sarrazin gut verstehen. Er bricht Tabus, political correctness ist ganz sicher nicht sein Ding. Und er erinnert mich sehr an meine eigene Kindheit und Jugend, als ich stets genau das tat, was ich nicht durfte. Beim Julklapp habe ich mein Päckchen nur deshalb mit einem Kreuz markiert, weil der Lehrer das vorher ausdrücklich verboten hatte. Natürlich wurde ich von der Teilnahme ausgeschlossen und erhielt kein Geschenk. Aber ich war stolz, das Verbot übertreten zu haben.
Später zu Hausbesetzerzeiten wollte ich die Polizeiabsperrung nur deshalb durchbrechen, weil sie da war. Ich musste gar nicht dort lang und wusste auch genau, dass es dann Ärger geben würde. Trotzdem versuchte ich mich durchzukämpfen und landete natürlich mit blauen Flecken und Beulen am Kopf auf der Wache.
Thilo Sarrazin hat sich sein Rebellentum offenbar erhalten. Revolutionäre sind ja auch attraktiver als Angepasste, was bei ihm nicht nur für die Sprüche gilt, sondern auch für sein Aussehen. Sarrazin ist widerspenstig, unbequem, unangepasst, nervtötend usw. Er hat keine Freunde, alle sind gegen ihn. Das macht ihn mir sympathisch, allerdings nicht inhaltlich.
Von: Aro Kuhrt
(26. Februar 2008)
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Es geschah in Berlin am 08.02. |












Rebell ist ja wohl etwas beschönigend, nennen wir ihn doch einfach ; ein arrogantes A….loch.
Das ist er sicher auch.