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  • Keine Kunst am Alex

    Alexanderplatz50 Jahre lang gab es auf dem Bahnsteig der U2 am Alexanderplatz eine Attraktion: Statt der üblichen Werbeplakate konnten die Fahrgäste hier Kunstwerke betrachten. Seit Anfang der 90er bestückte die Neue Gesellschaft für Bildende Kunst (NGBK) die Werbeflächen alle paar Monate mit neuen Bildern. Damit ist nun Schluss. Die Wall AG als Vermarkter der Reklametafeln möchte in Zukunft unter dem Alex kommerzielle Werbung zeigen, denn dieser Ort ist natürlich profitabler als z.B. der Bahnhof Kaulsdorf Nord. Weil Gewohnheitsrechte nicht einklagbar sind und die NGBK natürlich kein Geld hat, um die Flächen regulär anzumieten, werden sie ab März keinen öffentlichen Raum mehr am Alexanderplatz haben. Dabei ist die Firma Wall der Kunstgesellschaft weit entgegengekommen: Sie machte ihr das Angebot, die Flächen in der ungenutzten Zeit auch weiterhin zu bestücken, das wären immerhin bis zu neun Monate im Jahr. Dies lehnte die NGBK jedoch ab. Auch der zweite Vorschlag stieß auf wenig Interesse: Wall bot insgesamt 43 Alternativ-Bahnhöfe an, auf denen die Bilder in Zukunft gezeigt werden könnten. Jeder andere Kunstverein wäre glücklich über solch eine Möglichkeit, die NGBK weiß jedoch noch nicht, ob sie es annimmt. Ein Wall-Sprecher wies allerdings darauf hin, dass es noch andere kulturelle Institutionen gäbe, die Interesse angemeldet hätten.
    Nun könnte man zwar über den bösen Kapitalisten schimpfen, der den armen Künstlern ihre Darstellungsmöglichkeiten nimmt und nur an den eigenen Profit denkt. Doch die Wall AG ist eines der wenigen Unternehmen in Berlin, die in größerem Maßstab Kunst- und Kulturprojekte sponsort. Seit über 20 Jahren werden nach eigenen Angaben bis zu zehn Prozent des Gewinns in die Unterstützung von Initiativen und Projekte gesteckt. Man kann ihr also sicher nicht vorwerfen, nur auf ihren Profit zu achten und dafür über (auch kulturelle) Leichen zu gehen. Umso ärgerlicher ist das Verhalten der NGBK, die trotzig das Angebot zur zeitweisen Nutzung des Bahnhofs Alexanderplatz ausschlägt.


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    Von: Aro Kuhrt

    (28. Februar 2008)

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