Berlin wird wieder Sumpfgebiet
In Berlin steigt der Grundwasserspiegel seit Jahren an. Mittlerweile hat er einen solch bedenklichen Stand erreicht, dass dringend Gegenmaßnahmen getroffen werden müssen. Der Referatsleiter Wasserwirtschaft bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umweltschutz mahnte bereits: »An manchen Stellen fehlt nur noch ein halber Meter, damit die alte Sumpflandschaft wieder hergestellt ist«. Hunderte oder tausende Hausbesitzer haben bereits darunter zu leiden, dass das Grundwasser in die Keller drückt. Eine behördliche Unterstützung ist nicht zu erwarten, da die Abdichtung der Häuser Sache der Eigentümer ist.
Der Ursache für den steigenden Grundwasserspiegel ist der stark zurückgegangene Wasserverbrauch der Berliner. Statt 378 Millionen Kubikmeter werden nur noch 206 Millionen verbraucht, dazu kommt der massiver Rückgang der Industriekunden. Da weniger Wasser abgepumpt wird, sammelt es sich und drückt nach oben.
Siemensstadt gehört zu den Stadtteilen, die am meisten gefährdet sind: 1914 wurde das Wasserwerk Jungfernheide in Betrieb genommen, um das ehemalige Sumpfgebiet für die Industrie zu sichern. Im Jahr 2001 wurde das Wasserwerk abgeschaltet, aus Sicherheitsgründen wurde trotzdem noch Grundwasser in die Spree gepumpt. Doch Ende Dezember 2005 war damit Schluss und seitdem steigt der Pegel wieder. Die denkmalgeschützten Gebäude der Siemensstadt sowie der Schlosspark Charlottenburg drohen nun abzusaufen. Zwar ist Siemens vorerst eingesprungen und pumpt auf eigene Kosten Wasser ab, aber eine Dauerlösung ist das nicht.
Ob tatsächlich einige Stadtviertel aufgegeben werden müssen oder zig Millionen investiert werden, um das Grundwasser abzupumpen, muss in den nächsten Monaten und Jahren entschieden werden. Klar ist nur, dass eine Entscheidung notwendig ist.
Von: Aro Kuhrt
(21. Februar 2006)
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