LIDL mit der langen Nase
Als das Magazin Stern letzte Woche die Spitzelpraktiken der Discounterkette Lidl bekannt machte, war die Aufregung groß: In vier Bundesländern, darunter auch Berlin, hat das Unternehmen bis zu zehn Kameras pro Filiale installieren lassen. Angeblich dienten diese dazu, Diebstähle aufzudecken. Doch die Auswertungen der Aufnahmen sprechen für sich. In den vorgelegten Protokollen ist viel vom Verhalten der Angestellten die Rede: Wer wie oft und wie lange auf der Toilette war, wer mit wem eine Beziehung hat oder wer sich die Arme tätowieren ließ. Mit Diebstahlsaufklärung hat das sicher nichts zu tun.
Die Geschäftsführung reagierte sofort und verteidigte die Überwachung auch noch. Ein paar Tage später sieht das wieder ganz anders aus. In ganzseitigen Zeitungsanzeigen streitet die Geschäftsleitung eine systematische Bespitzelung ihrer Mitarbeiter ab. Doch schon im nächsten Satz entschuldigt sie sich dafür. Wie das zusammenpasst, lässt sie offen. Doch allein die Formulierung »wir entschuldigen uns ausdrücklich« sollte zu denken geben. Wie kann sich Lidl denn selber entschuldigen? Dies können nur die betroffenen Angestellten machen, Lidl kann höchstens um Entschuldigung bitten. Aber so ist das eben. Wenn man sich erst mal in den Schlamassel rein geritten hat, sollte man lieber nicht noch mehr strampeln, sonst rutscht man immer tiefer. Und je mehr man versucht sich herauszureden, umso länger wird die Nase.
Von: Aro Kuhrt
(1. April 2008)
Ähnliche Artikel:
- Manchmal steckt mehr drin, als man glaubt
- Ausgeboomt
- Gute Wünsche
- So nicht, Anbieter!
- Online-Nachrichten nur noch gegen Cash?
Stichworte:
Wirtschaft, ÜberwachungKOMMENTARE:
Pinox
Es geschah in Berlin am 08.02. |











