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Augenwischerei zum Flughafen

Heute kam die Wahlbenachrichtigung zur Volksabstimmung am 27. April. Soll der Flughafen Tempelhof (THF) geschlossen werden oder nicht? Ich selber bin da leidenschaftslos und werde wohl nicht zur Wahl gehen. Mir ist der Flughafen egal. Die seit Monaten laufende Kampagne zur Offenhaltung konnte mich bisher nicht überzeugen. Auf den Plakaten wird auf die historische Bedeutung des Airports hingewiesen, aber wenn ich richtig informiert bin, will ja auch niemand das Gebäude abreißen (wieso eigentlich nicht? Das wäre doch mal eine Alternative.). Auch dass »die Berliner« einen Flugplatz mitten in der Stadt brauchen, ist Blödsinn. Ich jedenfalls habe keine Privatmaschine dort stehen und nach Nürnberg oder Regensburg fliege ich auch nicht. Mehr als dies passiert dort aber nicht. Und dass bei einer Schließung so viele Arbeitsplätze verloren gehen würden, dass das eine Offenhaltung rechtfertigen würde, untermauern die THF-Fans nicht mit Zahlen. Dabei wären das doch gute Argumente. Überhaupt nutzen sie nicht die Chance, die Argumente der Gegenseite zu widerlegen. Zum Beispiel, dass ein Innenstadt-Flughafen eine Gefährdung darstellt, es ist erst sieben Jahre her, dass eine kleine Maschine in ein Neuköllner Wohnhaus stürzte. Auch auf die Umweltbelastung wird nicht eingegangen. Stattdessen behaupten sie, dass 70 Prozent der Berliner für die Offenhaltung seien und der Senat mit dem Schließungsbeschluss den Bürgerwillen ignoriere. Peinlich nur, dass die Flughafenbefürworter dabei den CDU-Chef Pflüger an ihrer Spitze laufen lassen. Damit wird der Streit nicht nur parteipolitisch, sondern auch unglaubwürdig, denn es war auch der damalige CDU-Bürgermeister Diepgen, der für die Schließung stimmte.
In dem Briefumschlag mit der Wahlbenachrichtigung lag auch eine kleine Broschüre mit den Argumenten der Flugplatz-Befürworter, des Senats sowie des Abgeordnetenhauses. Leider sind auch hier vor allem Behauptungen zu lesen, die nicht belegt werden. Das betrifft beide Seiten. Man findet zwar wenigstens in der Darlegung des Parlaments endlich ein paar konkrete Zahlen, doch der Teil der Senatsargumente beinhaltet vor allem blumige Ankündigungen. Es ist von einem Landschaftspark die Rede, zahlreiche Sportmöglichkeiten werden aufgelistet und auch zwei neue Stadtquartiere angekündigt. In Wirklichkeit ist aber auch dies Augenwischerei, denn all das sind nichts als Ideen. Entschieden ist gar nichts und so wie die Berliner Finanzsituation aussieht, ist eine umfangreiche Entwicklung des Areals kaum zu realisieren.
So bleiben am 27. April mehr Fragen offen, als dass es konkrete Antworten gäbe. Die Auseinandersetzungen haben eher den Charakter eines Glaubenskriegs, als den einer sachlich geführten Debatte. Ich wüsste zum jetzigen Zeitpunkt jedenfalls nicht, wofür ich mich entscheiden sollte. Doch vielleicht kommt ja auf den letzten Metern noch überzeugende Argumente. Aber damit ist wohl nicht zu rechnen.


Von: Aro Kuhrt

(3. April 2008)

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