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  • Alle reden über Jugendgewalt

    In 1 1/2 Jahren sind in Deutschland wieder Bundestagswahlen, aber schon jetzt hat der Wahlkampf begonnen. Plötzlich gräbt die CDU ein Thema aus, dass zwar überhaupt nichts Neues hat, aber das sich in der Öffentlichkeit gut ausschlachten lässt: Die Jugendgewalt.
    Vor allem nach dem krassen Angriff von zwei Idioten auf einen alten Mann in München wurde die Volksseele aufgeheizt. Roland Koch, der Ministerpräsident von Hessen, fing damit an, denn in seinem Bundesland fanden ein paar Wochen später Landtagswahlen statt. Er forderte härtere Strafen und sogar die Einrichtung von Lagern – Klein Guantanamo in Hessen?
    Jeder der sich mit dem Thema Straftäter auskennt weiß, dass härtere Strafen fast niemanden abschrecken, sondern gerade junge Menschen erst recht in kriminelle Kreise treiben. Nicht umsonst ist das Jugendstrafrecht in erster Linie auf Erziehung aus, nicht auf Bestrafung. Aber mit der Forderung danach kann sich die CDU prima als Recht-und-Ordnung-Partei profilieren, doch leider geht das ganze nur in eine Richtung. Gemeint sind nämlich in erster Linie ausländische Schläger, die es in Deutschland ja zuhauf gibt. Ob Koch, Kanzlerin Merkel oder Familienministerin von der Leyen, sie beklagen nur die Kriminalität von türkischen, arabischen oder Balkan-Jugendlichen, nicht von deutschen. Dabei gibt es in Deutschland Städte und Landkreise, in denen Rechtsextremisten die Macht auf der Straße haben. Andersdenkende Jugendliche müssen dort teilweise zig Kilometer weit fahren, nur um in eine Schule zu gehen, in denen sie von den Neonazis sicher sind. Das sind keine Einzelfälle, sondern das kommt täglich ebenfalls tausende Mal vor. Nur eben nicht bei den Politikern.
    Dass die ganze Debatte um Jugendgewalt kaum etwas anderes ist als Wahlkampf sieht man auch daran, dass diese Kriminalität in Wirklichkeit immer mehr zurückgeht. 2007 gab es bundesweit etwa 100.000 Fälle weniger als 2006. Das ist bei über 2 Millionen Straftaten nicht viel, aber es zeigt, dass es langsam abnimmt. Natürlich gibt es noch immer viel zu viele Jugendliche, die mit Gewalt gegen Mitschüler oder andere Leute vorgehen, sie verprügeln oder ausrauben. Und natürlich muss man diese auch verfolgen und bestrafen. Andererseits hat es keinen Sinn, in der Öffentlichkeit Panik zu verbreiten und jeden türkischen Jungen gleich als potenziellen Straftäter hinzustellen. Stattdessen sollte man versuchen, die Kriminellen unter den Jugendlichen zu isolieren, damit sich niemand mehr mit ihnen solidarisiert. Wer aber Jugendliche und vor allem ausländische generell in Verdacht hat, schweißt sie eher mit den Gewalttätern zusammen. Aber soweit denken Politiker meist nicht. Schon gar nicht, wenn sie Wahlkampf machen.


    Artikel als PDF

    Von: Aro Kuhrt

    (2. April 2008)

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