Rote Wirrung
Es gibt Menschen, die Sahra Wagenknecht als neue Rosa Luxemburg bezeichnen. Andere wählen lieber das Wortspiel Stalinknecht. Richtig ist, dass sie innerhalb der Linkspartei/PDS zum linksradikalen Flügel »Kommunistische Plattform« gehört, und sich auch jede Mühe gibt, die realpolitischen Ansätze von Gysi oder Bisky zu torpedieren.
Nun hat sie sich einen neuen Fauxpas geleistet: Der autokratisch regierende Präsident von Venezuela, Hugo Chávez, hatte gesagt, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel der selben politischen Rechten angehöre, die Hitler, die den Faschismus unterstützt hat. Mit diesem Vergleich hat er sich selber politisch entmündigt, aber das hat er auch schon vorher in seinem eigenen Land getan. Beim Lateinamerika-Gipfel in dieser Woche entschuldigte er sich allerdings bei Merkel für seine Äußerungen.
Das hinderte Wagenknecht aber nicht daran, ihm in kämpferischer Solidarität zur Seite zu springen: »Das, was Chávez gesagt hat, ist historisch korrekt«, meinte sie in einem Interview der Welt am Sonntag. Es mag ja sein, dass von der linksextremen Position die rechte Mitte schon faschismusfreundlich wirkt, aber wenn es so wäre, hätte sie nicht mehr die Gelegenheit, so etwas öffentlich zu äußern. Wesen der Demokratie ist eben auch, dass jeder seinen Schwachsinn öffentlich verbreiten darf, sei er auch noch so groß.
Von: Aro Kuhrt
(17. Mai 2008)
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