Wüstes Brandenburg
Es ist kein böses Vorurteil, dass Brandenburg immer mehr vergreist. Junge Leute ziehen weg, nach Berlin oder weiter westlich, übrig bleiben die Alten. Und wer sein Heil nicht in den Metropolen sucht, den versuchen Berliner Wissenschaftler mit einer Wegzugsprämie zu ködern. Deren Ziel ist es, ganze Landstriche zu entvölkern, da die Infrastruktur angesichts des Rückgangs der Bevölkerung in den Berlinfernen Regionen nicht zu finanzieren sei. Die entleerten Räume könnte man »zu einem Naturerlebnisgebiet Wildnis umwidmen«. Bei den Brandenburger Politikern kam diese Idee natürlich nicht gut an, wer sollte sie in Zukunft dann auch noch wählen?
Dabei hat der Vorschlag schon seinen Reiz. Bereits heute gibt es wieder Wölfe in der Mark, die Population könnte innerhalb weniger Jahre auf bis zu hundert Rudel wachsen. Bären wären die nächsten Ankömmlinge, an der Grenze zu Meckpomm ist auch die Ansiedlung von Elchen denkbar. Von Berlin aus würde man Foto-Safaris in die Wildnis unternehmen können, auf Wunsch kombiniert mit Survival-Übernachtungen in ehemaligen NVA- oder Russenkasernen. Bei den Fahrten durch den neu geschaffenen Naturpark Mark Brandenburg sind mit etwas Glück auch die letzten Eingeborenen zu beobachten, glatzköpfige junge Männer, die sich mit erhobenem Arm grüßen und ansonsten kaum zu weitergehender Kommunikation fähig sind. Die Bundesregierung würde dafür sorgen, dass diese Leute weiterhin mit Futter und vor allem Getränken versorgt werden.
Urwald an der Müritz, die uckermärkische Steppe und die Berge und Seen des einstigen Kohletagebaus in der Lausitz garantieren dem interessierten Besucher abwechslungsreiche Naturerlebnisse.
Für Familien mit Kindern bieten sich die einstigen Städte Cottbus, Schwedt und Frankfurt an der Oder für Abenteuer-Touren an, dort können die Kleinen in verfallenen Plattenbausiedlungen Verstecken spielen, während die Größeren ein riesiges Areal für ihre Paintball-Spiele vorfinden.
Und wenn das mit der Bevölkerungsentwicklung so weitergeht, dann wird das Gebiet zehn Jahre später bis an die Ostsee ausgeweitet!
Von: Aro Kuhrt
(24. Juli 2008)
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