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  • BILD statt Würde

    Dass die Bild-Zeitung sich oft nicht um die Menschenwürde kümmert, ist keine neue Erkenntnis. Zu oft schon wurde das Leid von Menschen in einer Form an die Öffentlichkeit gezerrt, die weder Anstand noch Mitleid kennt. Nur die Sensation bringt Geld, da gibt es keine Untergrenze beim Niveau.
    Jüngstes Beispiel: In Rudow kriecht ein nackter Mann auf Händen und Füßen über eine Straße in Rudow. Ein »Bild-Leser-Reporter« Andreas Volkmann fotografiert die Szene und schickt sie per Handy an die Online-Redaktion, dafür gibt es immerhin ein kleines Honorar. Und die Bild veröffentlicht es natürlich, Kommentar: »Warum Mann ohne Klamotten durch Berlin kroch, blieb unklar.« Das stimmt nicht, denn dass der Mann in einer Notlage war, hätte man sich auch denken können. Glücklicherweise gibt es auch Menschen mit Gewissen, anstatt sich am Leid eines Menschen zu ergötzen riefen sie lieber die Polizei. Sie brachte den Mann in psychiatrische Behandlung.
    Laut Tagesspiegel machte sich die Redaktion über das Foto noch lustig: »War es ein Puffgänger, der zu viel Schampus intus und seine Klamotten vergessen hatte? War es eine Wette? Oder einfach das warme Wetter? Das bleibt wohl das Geheimnis des Nackten aus Neukölln«.
    Ich finde es immer wieder erschreckend und ekelhaft, zu welchen Praktiken diese Zeitung greift, um Profit zu machen. Kranke Menschen in dieser Form öffentlich vorzuführen ist das allerletzte.


    Artikel als PDF

    Von: Aro Kuhrt

    (22. August 2008)

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