Das Lapidarium

Der Begriff Lapidarium bedeutet eigentlich nichts anderes als  “Steinsammlung”. Das heutige Lapidarium in Kreuzberg wurde 1876 als erstes Abwasserpumpwerk Berlins in Betrieb genommen. Prof. Rudolf Virchow und der Geheime Baurath James Hobrecht hatten ein Konzept entwickelt, wonach das Stadtgebiet in zwölf “Radialsysteme” aufgeteilt wurde, deren Abwässer Pumpwerke von den äußeren Rändern auf die Rieselfelder außerhalb der Stadt weiterleiteten. Das Pumpwerk des Radialsystems III an der Schöneberger Straße am Halleschen Ufer entwarf Hobrecht selbst; der achteckige Querschnitt des Schornsteins stellt eine architektonische Besonderheit dar.
Die Umstellung der Abwässerbeseitigung auf vollautomatischen Betrieb führte 1972 zur Stilllegung der veralteten Anlage und zum Ersatzbau auf dem rückwärtigen Grundstücksteil. Das Pumpwerk wurde als technisches Baudenkmal von 1977 bis 1980 restauriert. Von der ehemaligen technischen Ausstattung ist nur noch eine der ehemals drei dampfgetriebenen Pumpen erhalten geblieben; die zugehörigen Kessel mussten vollständig entfernt werden.

Im November 1976 beschloss der Senat, das ehemalige Pumpwerk als Aufbewahrungsort für erhaltenswerte Denkmäler zu nutzen. So sollen diese Denkmäler vor Umwelteinflüssen geschützt und an den Originalstandorten unempfindliche Kopien aufgestellt werden. Der überwiegende Teil der Denkmäler stammt aus dem Tiergarten, aber auch von anderen Stellen Berlins wurden umweltgefährdete Denkmäler in das Lapidarium verlagert. Außerdem beherbergt es Statuen und Büsten der ehemaligen Siegesallee und zwei Büsten des Ensembles vom Platz vor dem Brandenburger Tor.
Nach der Restaurierung wurde das Gebäude zunächst ausschließlich als Abformungswerkstatt für die Denkmals-Rettungsaktion genutzt. Der Abschluss der Abformungsarbeiten ermöglichte die Durchführung von Ausstellungen der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umweltschutz im Lapidarium, wobei auch die dort untergestellten Denkmäler wieder der Öffentlichkeit zugänglich wurden.

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