Der Schlüssel zur Stadt

Zum Thema “unmenschlicher Umgang mit Obdachlosen” habe ich ja erst vor einigen Tagen etwas geschrieben. Dass es auch anders geht, zeigt nicht nur der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg, in dem das Obdachlosenlager an der Rummelsburger Bucht vom Bezirk betreut wird. Da, wo der Staat versagt – bzw. seine Verantwortlichen wie im Bezirk Mitte – müssen eben die Bürger/innen ran.

Die BVG hatte nach langem Hin und Her gerade mal zwei U-Bahnhöfe als Kältebahnhöfe geöffnet. “Viel zu wenig”, sagten sich einige Künstler/innen. Um Obdachlosen auch weiterhin Zutritt zu den Stationen zu gewähren, haben sich das Künstlerkollektiv Rocco und seine Brüder und Dies Irae zusammengetan und mit nachgemachten Schlüsseln Berliner U-Bahnhöfe nachts aufgeschlossen. Außerdem haben sie Winter-Pakete gepackt und an verschiedenen U-Bahnhöfen verteilt, die neben einer Decke und etwas zu Essen auch auch Schlüssel für die U-Bahnhöfe enthielten. Dazu gab es noch eine Warnweste und einen Sicherheitshinweis.

Mehrere Tage lang wurden so insgesamt rund 50 Bahnhöfe für Obdachlose geöffnet. Der BVG fällt dazu nichts weiter ein, als diese Aktion zu diskreditieren. Sprecherin Petra Nelken bezeichnete das Vorgehen der Aktivisten als “billige Art, eine Show abzuziehen”. Man habe wegen Hausfriedensbruch bereits juristische Schritte eingeleitet. Dass es in diesem Winter im Wedding bereits einen Kältetoten gab, interessiert die BVG nicht. Stattdessen heuchelt man Sorge um die Obdachlosen, die sich ja an den Stromschienen verletzen könnten. Als wenn diese Menschen zu blöd sind, um zu wissen, wie man sich auf einem Bahnhof verhält. Die Aktion der Künstler/innen ist jedenfalls Urban Art vom Feinsten!