Ortsteil: Bohnsdorf

Dieser Orts­teil von Trep­tow-Köpe­nick, zwischen Altglie­ni­cke, Grünau und Schö­ne­feld gele­gen, ist wenig bekannt. Dabei fahren täglich Tausende mit dem Auto hindurch, nämlich über die A117, die den Orts­teil zerteilt — direkt neben dem alten Dorf­an­ger. Als die Auto­bahn 1962 eröff­net wurde, hat man auf gewach­sene Dorf­struk­tu­ren wenig Rück­sicht genom­men. Das hat sich leider bis heute nicht geän­dert. So zerfiel Bohns­dorf in zwei Teile, nur am Dorf­platz gibt es eine Verbin­dung unter der Auto­bahn hindurch. Dort­hin führt die eigent­li­che Haupt­straße des Orts­teils, die Bunt­zel­straße. Sie beginnt am ande­ren Ende kurz hinter dem S‑Bahnhof Grünau. Benannt wurde sie 1905 bereits vor dessen Tod nach Max Bunt­zel, könig­li­cher Garten­bau­di­rek­tor und Grund­be­sit­zer in der Gegend. Seine Villa steht saniert bis heute am Eingang von Bohns­dorf.

Nicht weit entfernt befin­det sich die 1915 gegrün­dete Garten­stadt Falken­berg, die jedoch früh den Spitz­na­men Tusch­kas­ten­sied­lung erhielt. Grund dafür ist die für damals revo­lu­tio­näre Farb­ge­bung: Jedes Haus hatte eine andere Farbe, jede Fassade war anders gestal­tet. Unter­schied­li­che Details, versetzt ange­ord­nete Elemente, teil­weise waren die einzel­nen Gebäude außer­halb der Reihe ange­ord­net. Der Archi­tekt Bruno Taut hat hier eine Sied­lung ganz nach seinem Geschmack reali­siert: Die Arbei­ter soll­ten nicht mehr in Miets­ka­ser­nen wohnen müssen, sondern in einer indi­vi­du­ell gestal­te­ten Umge­bung an Rande der Stadt.
Geplant waren ursprüng­lich 1.500 Wohnun­gen für 7.000 Menschen. Aber aufgrund des Ersten Welt­kriegs wurde das Geld knapp, sodass am Ende nur 127 Wohnun­gen reali­siert wurden – weni­ger als zehn Prozent. Leider verdient die Sied­lung heute ihren Tusch­kas­ten­na­men eigent­lich nicht mehr, es gibt heute nur noch wenige unter­schied­li­che Farb­tup­fer.
Weni­ger beschei­den wurde eine Sied­lung benannt, die einige Jahre zuvor ein Stück­chen der Bunt­zel­straße abwärts entstand. Sie erhielt den Namen Para­dies. Gebaut wurde sie von einer Arbei­ter­bau­ge­nos­sen­schaft, “um wirt­schaft­lich Schwa­chen ein menschen­wür­di­ges Heim zu schaf­fen”. Später baute auch hier der Meis­ter Taut.

An der Bunt­zel­straße liegt auch der Bunt­zel­berg. Der rund 60 Meter hohe Hügel heißt eigent­lich Falken­berg, nach dem die Garten­stadt benannt ist. An diesem “Berg” liegt die Bunt­zel-Ranch, ein klei­nes einge­zäun­tes Gelände, auf dem regel­mä­ßig Veran­stal­tun­gen wie das Bohns­dor­fer Oster­feuer oder Ernte­dank­fest statt­fin­den. Hier werden auch einige Pferde und andere Tiere gehal­ten. Ein ande­res High­light für Kinder ist zudem der Eisen­bahn-Spiel­platz an der Hunds­fel­der Straße. Hier können sie auf einer origi­na­len, alten Rangier­lok herum­klet­tern.

Einen schwar­zen Tag erleb­ten die Bohns­dor­fer am 12. Dezem­ber 1986, als eine sowje­ti­sche Tu-134A auf dem Weg von Minsk nach Berlin-Schö­ne­feld beim Lande­an­flug am südli­chen Orts­rand in einem Wald­ge­biet abstürzte. Bei dem Unfall star­ben 72 Menschen, darun­ter 20 Schü­ler.

Der Ursprung des Namens Bohns­dorf ist umstrit­ten. Sicher ist, dass er nicht vom Bohnen­an­bau stammt. Vermut­lich geht er zurück auf einen Mann namens Bon (oder Boni­fa­cius), der das Dorf im 14. Jahr­hun­dert gegrün­det haben soll. Bis heute ist es ein Dorf, das sich seinen länd­li­chen Charak­ter größ­ten­teils erhal­ten hat. Trotz Auto­bahn am Dorf­platz.

Foto: Bild­ar­bei­ter

Wiki­me­dia Commons, CC BY-SA 4.0
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