Das Grab im Westhafen

In Deutsch­land herrscht Fried­hofs­zwang. Das bedeu­tet, dass man die Urne mit der Asche eines Verstor­be­nen nicht einfach bei sich zuhause aufstel­len darf. Oder gar einen ganzen Sarg. Und doch gibt es Ausnah­men, wenn man nur promi­nent genug ist. So steht die Urne von Rainer Hilde­brandt seit 2004 im Krema­to­rium Ruhle­ben, ohne in die Erde gebracht zu werden. Hilde­brandt war ein wich­ti­ger Flucht­hel­fer und Grün­der des Mauer­mu­se­ums am Check­point Char­lie. Er wollte auf dem Fried­hof Wils­na­cker Straße in Moabit beer­digt werden, wo jedoch keine Bestat­tun­gen mehr geneh­migt werden. Seit­dem weigert sich seine Witwe, die Urne woan­ders beer­di­gen zu lassen.

Auch für den Sänger Rio Reiser wurde 1996 eine Ausnahme gemacht: Nach seinem Tod durfte er im Garten des Wohn­hau­ses in Fresen­ha­gen (Schles­wig-Holstein) beigesetzt werden. Nach­dem das Grund­stück 2011 verkauft wurde, wurde er nach Berlin umge­bet­tet auf den Alten St. Matthäus-Kirch­hof in Schö­ne­berg.

Direkt an der eige­nen Wirkungs­stätte wurde der Medi­zi­ner und Mikro­bio­loge Robert Koch bestat­tet: In dem von ihm begrün­de­ten Preu­ßi­schen Insti­tut für Infek­ti­ons­krank­hei­ten (heute Robert Koch-Insti­tut) im Wedding gibt es ein klei­nes Museum, das über ihn infor­miert. Ange­glie­dert ist ein Mauso­leum, in dem seit 1910 die Urne Kochs in einer Marmor­wand einge­las­sen ist.

Nur 500 Meter entfernt befin­det sich das Verwal­tungs­ge­bäude des West­ha­fens. Es ist die Zentrale des Hafens, der vom Stadt­bau­rat Fried­rich Krause Anfang des 20. Jahr­hun­derts entwor­fen wurde. Dessen endgül­tige Fertig­stel­lung 1927 hat er nicht mehr erlebt, er starb zwei Jahre zuvor. Um seine Verbun­den­heit mit dem West­ha­fen zu doku­men­tie­ren, wurde Krau­ses Urne ins Trep­pen­haus des Verwal­tungs­ge­bäu­des einge­mau­ert. Verschlos­sen wurde sie mit einer Bron­ze­ta­fel, die bis heute zwischen dem Erdge­schoss und der ersten Etage an ihn erin­nert.

Foto: ThoKay

Wiki­me­dia Commons, CC BY 2.0
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