Das Jahr 1902

Bahnhof "Stralauer Thor", am Bildrand rechts die Oberbaumbrücke

In diesem Jahr begann eine neue Ära des öffentlichen Nahverkehrs in Berlin und Deutschland. Am 18. Februar 1902 wurde die erste Strecke der U-Bahn übergeben, die größtenteils als Hochbahn fuhr. Sie verband anfangs die Stationen Stralauer Thor (an der Oberbaumbrücke) und Potsdamer Platz. Am 25. März folgte die Verlängerung zum Bahnhof Zoo, im August dann zur Warschauer Brücke. Gebaut wurde die U-Bahn von Siemens & Halske, finanziert durch die Deutsche Bank.

Was sonst noch geschah:

16. Januar 1902
Gründung des Vereins für Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung in Berlin. Er hatte die Aufgabe, die wissenschaftliche Erforschung und praktische Verbesserung der Wasserqualität und Abwasserentsorgung in der Stadt zu unterstützen. Heute ist er Teil des Umweltbundesamtes.

5. März 1902
Eröffnung der Schrippenkirche, dem Vereinshaus des christlichen Vereins Dienst an Arbeitslosen in der Weddinger Ackerstraße 52. Pro Gottesdienst wurden 600 Portionen Kaffee und Schrippen ausgeteilt. Außerdem organisierte der Verein das Sammeln von gebrauchten Möbeln, die er dann weiterverkaufte. Berlin hatte zu dieser Zeit 80.000 Arbeitslose, davon waren 10.000 obdachlos.

14. April 1902
Am Morgen und Vormittag kam es zu einem heftigen Gewitter. Im nordwestlichen Innenstadtbereich fielen innerhalb weniger Stunden über 16 cm Niederschlag, also mehr als 160 Liter pro Quadratmeter. Fast alle Bezirke wurden überschwemmt.

22. August 1902
In der Innenstadt wurde die letzte Pferde-Straßenbahn-Linie (Wedding – Großgörschenstraße) auf elektrischen Betrieb umgestellt. Ab nun gab es innerhalb der Stadt nur noch die „Elektrische“.

25. August 1902
Die Kriminalpolizei richtete feste Mordkommissionen ein, um zu jeder Tages- und Nachtzeit Beamte an den Tatort schicken zu können.

25. August 1902
Der Rolandbrunnen mit der 3,75 m hohen Rolandfigur, geschaffen von Otto Lessing, wurde auf dem Kemperplatz enthüllt. Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Anlage schwer beschädigt und 1950 abgerissen.

2. November 1902
Einweihung neuer Gebäude der Hochschule der bildenden Künste und der Hochschule für Musik in Charlottenburg. Die im neubarocken Stil errichteten Bauten in der Hardenbergstraße kosteten insgesamt vier Millionen Mark.

17. November 1902
Zum Gedenken an die während der Einsätze ums Leben gekommenen Feuerwehrleute wurde am Mariannenplatz in Kreuzberg ein Denkmal errichtet. Nachdem es im Krieg zerstört wurde, ist es 1960 ersetzt worden. Bis heute finden dort jährlich Gedenkveranstaltungen statt.

15. Dezember 1902
Nach der Innenstadt wurde nun auch die letzte Vorort-Pferde-Straßenbahn-Linie zwischen der Tegeler Chaussee (heute Seidelstraße) und Dalldorf (heute Wittenau) auf elektrischen Betrieb umgestellt. Damit war die Umwandlung des Pferdebahnbetriebes auf allen Berliner Straßenbahnstrecken abgeschlossen.

19. Dezember 1902
An der Kreuzung Unter den Linden / Friedrichstraße wurde erstmals in Deutschland eine Verkehrsregelung durch Handzeichen durchgeführt.



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