Der Doppelagent

Er ist in der Öffentlichkeit kaum bekannt, dabei hat er wie wenige Menschen zu Mauerzeiten zum Austausch zwischen der Bundesrepublik und der DDR beigetragen: Peter Schimmelpfennig aus Wilmersdorf war Musikmanager und Produzent. Er war es, der in den 1970er Jahren bekannte DDR-Rockbands wie die Puhdys, City oder Karat in West-Berlin und Westdeutschland bekannt machte. Er organisierte Konzerte, Fernsehauftritte und veröffentlichte ihre Schallplatten, in der Bundesrepublik, dann auch in weiteren westeuropäischen Ländern.

Durch sein verlässliches Auftreten verloren die ostdeutsche Künstleragentur und die VEB Deutsche Schallplatte ihre Scheu vor dem kapitalistischen Klassenfeind, über den schließlich Devisen ins kleine Land fließen sollten. Und so brachte Schimmelpfennig die Schallplatten von Amiga auch im Westen heraus, auf seiner 1978 eigens gegründeten Plattenfirma Pool.

In den folgenden Jahren wurden die Bands im Westen berühmt, auch weitere Künstler folgten. Ende der 1980er Jahre schaffte er es sogar, die politisch ängstlichen Amiga-Verantwortlichen davon zu überzeugen, auf ihrem Label auch Musik von Bands zu veröffentlichen, die nicht so auf der offiziellen Linie lagen, dafür aber bei der ostdeutschen Jugend angesagt waren. Und so konnte die Punkband Feeling B (aus denen später Rammstein hervorging) mehrere Songs auf einem Sampler von Amiga veröffentlichen.

Aber der Kulturaustausch ging nicht nur in die eine Richtung: Peter Schimmelpfennig brachte Alexis Korner, Solomon Burke, die Spider Murphy Band, Roger Chapman, Richie Havens und vor allem James Brown hinter den nun nicht mehr so eisernen Vorhang.

Und er ging weiter, bis in die damals noch existierende Sowjetunion, von deren Rockbands er wieder Platten in der Bundesrepublik veröffentlichte. Auch die erste LP der damals noch unbekannten finnischen Band Leningrad Cowboys brachte Schimmelpfennig auf seinem Label heraus. Ebenso eine besondere Box mit vier Schallplatten oder CDs: „Entartete Musik“ begleitete eine Ausstellung über die im NS-Staat verbotene Musik. Die Ausstellung wanderte weiter von der BRD nach Los Angeles, Amsterdam, London u.a.

Das Geschäft mit den DDR-Künstlern brach nach dem Mauerfall erstmal ein, deshalb schaute sich der umtriebige Musikmanager nach Neuem um. 1992 stieß er dabei auf ein Duo, deren erste Single und dann CD er produzierte. Die kleine Band Rosenstolz wurde danach bundesweit bekannt, wieder mal hatte Peter Schimmelpfennig den richtigen Riecher.

Schimmelpfennig ist kein ausgesprochen politischer Mensch, das mussten auch die Funktionäre in der DDR hinnehmen. Aber wenn es sein muss, steht er auf der richtigen Seite. So wie er 1988 die Box „Entartete Kunst“ veröffentlichte, wollte er auch 2024 Flagge zeigen. Zum Wahlkampf fuhr er in den thüringischen Wahlkreis des Rechtsextremisten Björn Höcke und klebte dort selbst gestaltete Plakate gegen die AFD: „Alternative Deckfarbe – Blau auf braunem Untergrund“. Auch dies wird in dem Buch dokumentiert.

Bis heute – mit über 80 Jahren – ist er in der Musikszene aktiv. Derzeit betreut er noch einige Bands und soeben ist ein Buch mit und über ihn erschienen: Der Doppelagent“ beleuchtet sein gesamtes Leben, vom musikbegeisterten Jugendlichen über seine vielen Stationen mit großen Erfolgen und ebenso großen Niederlagen.

Wer etwas über die deutsch-deutsche Musikgeschichte erfahren will, mit Hintergrundinfos aus allererster Hand, kommt um dieses Buch nicht herum.

Der Doppelagent
(Gunnar Laue, Jaron-Verlag)

Foto: Vom Cover des Buchs

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