Die meisten Berliner kennen zwar Dahlem, aber wenige kennen es wirklich. Dabei hat dieser Stadtteil im Bezirk Steglitz-Zehlendorf wirklich Interessantes zu bieten. Als Wohnviertel ist Dahlem allerdings vor allem für Gutverdienende interessant, in den zahlreichen kleinen Straßen reihen sich die Villen aneinander, dazwischen kleine Grünanlagen. Aber es geht auch anders: So fühlt man sich rund um den Dreipfuhlpark in eine US-amerikanische Kleinstadt versetzt, mit den typischen flachen Einfamilienhäusern, Garage am Gebäude und Rasen vor dem Haus. Nicht umsonst wird die Sieglung Klein Amerika genannt.
Natürlich gibt es in Dahlem auch die Freie Universität, die in den Nachkriegsjahren gegründet wurde. Der beginnende Kalte Krieg machte eine eigene Universität in West-Berlin nötig, da viele Studenten in der Berliner Universität (später Humboldt-Uni) in Mitte politisch gegängelt wurden. Viele von denen die sich dort politisch äußerten wurden von der sowjetischen Geheimpolizei festgenommen, manche hingerichtet, andere bis zu 25 Jahren Zwangsarbeit verurteilt.
Im Dezember 1948 gegründet wurde die FU schnell in Gesamt-Berlin zu einem Magnet für Studentinnen und Studenten. Ihre Institute verteilten sich anfangs auf zahlreiche herrschaftliche Villen im Stadtteil, die ursprünglich von führenden Nazis bewohnt waren und die zuvor enteignet wurden. Auch Gebäude der ehemaligen Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft und Liegenschaften, die während der NS-Zeit militärisch oder ideologisch genutzt wurden, wurden der FU Berlin zugeschlagen. Zwar gibt es mittlerweile auch einige zentrale Gebäude wie die Silberlaube oder die Rostlaube, aber noch immer sind viele Institute in Villen untergebracht. Auch viele der renommierten Forschungsorganisation Max-Planck-Gesellschaft haben hier ihren Sitz.
In der 1968er Studentenbewegung hatte die Freie Universität eine wichtige Funktion, hier formierte sich der Widerstand gegen die „Talare mit Muff aus 1000 Jahren“. Heute gehört die FU Berlin zu den größten und wichtigsten Universitäten Deutschlands und hat auch international einen guten Ruf.
Ebenfalls in Dahlem befindet sich das Berliner Konsulat der USA. Gut geschützt, mit Pollern, Panzerglas und Wachschutz behauptet es sich an der Clayallee gelegen. Auf dem großen Gelände dahinter befand sich zu Zeiten der Alliierten die Studios des Radiosenders AFN. Das American Forces Network ist ein weltweiter Radio- und Fernsehsender der US-Streitkräfte Er spielte vor allem für die Berliner Jugend in den 1950er und 60er Jahren eine wichtige Rolle, weil er Musik wie Rock’n’Roll, Swing und Jazz spielte, für die die deutschen Sender in Berlin noch zu spießig waren.
Gleich nebenan können sich Interessierte im Japanisch-deutschen Kulturzentrum über die fernöstliche Kultur informieren, sich Ausstellungen anschauen oder an Veranstaltungen teilnehmen.
Direkt gegenüber des US-Konsulats befand sich eine Freifläche, auf der 40 Jahre lang jeden Sommer das Deutsch-amerikanische Volksfest stattfand. Gut zu erreichen über die heutige U-Bahnlinie 3. Deren Bahnhof Dahlem-Dorf wurde mit seinem Reetdach und den Holzfiguren auf dem Bahnsteig bereits mehrfach zum schönsten U-Bahnhof Europas gekürt.
An der Clayallee, nur wenige Meter vom US-Konsulat entfernt, findet sich heute das Alliierten-Museum. Zu Mauerzeiten befand sich dort das US-Soldatenkino Outpost und die Nicholson-Bibliothek. Das Alliierten-Museum bezog den Komplex 1998 und dokumentiert die Geschichte der Westmächte in Berlin von 1945 bis 1994. Es zeigt heute zahlreiche Exponate aus der Zeit der Teilung Berlins. Darunter ein britisches Transportflugzeug, den Eisenbahnwagen eines französischen Militärzugs, das letzte Wachhäuschen vom Kontrollpunkt Checkpoint Charlie sowie einen Grenzkontrollturm der DDR.
Überhaupt die Museen: Davon gibt es in Dahlem gleich mehrere, die nennenswert sind. Vor allem das Brücke-Museum, das eine weltweit einzigartige Sammlung von Werken der expressionistischen Künstlergruppe Die Brücke beherbergt. Oder gleich daneben das Kunsthaus Dahlem, es fokussiert sich auf die deutsche Moderne in Ost und West.
Das Museum Europäischer Kulturen in der Arnimallee ist ein ethnologischen, kultur- und alltagsgeschichtliches Museum, das sich mit den Lebenswelten in Deutschland und Europa vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart auseinandersetzt.
Nicht zu vergessen: Die Domäne Dahlem, ein ehemaliges Rittergut, das heute ein Freilichtmuseum für Agrar- und Ernährungskultur ist. Es beherbergt auch einen Bio-Bauernhof, es gibt Wochenmärkte und regelmäßige Veranstaltungen, um den Städtern und vor allem ihren Kindern die Natur und die Landwirtschaft näherzubringen.
Dahlem ist sowieso ein sehr grüner Ortsteil. So gehört ein Stück des Grunewalds dazu. Die durch ganz Dahlem führende Königin-Luise-Straße wird ab der Clayallee zu einem Waldweg, der bis zum Grunewaldsee führt. Dort befindet sich ein weiteres Museum: Das Jagdschloss Grunewald ist der älteste noch erhaltene Schlossbau Berlins, erbaut 1543. Dort werden neben zahlreichen Gemälden von Lucas Cranach dem Älteren und seinem Sohn Werke der niederländischen und deutschen Malerei des 15. bis 19. Jahrhunderts ausgestellt. Und es gibt den einzigen Schlosssaal in Berlin aus der Zeit der Renaissance.
Und wer vom Studieren, Museumsbesuch und Wandern durch den Wald noch immer nicht genug hat, geht abends in die Eierschale in der Podbielskiallee. Der 1977 als Jazzbar gegründete Club ist heute ein Restaurant, Café und ein Tanzschuppen, vor allem für Über-40-Jährige.
Foto: A.Savin, Wikipedia


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