Dieses Jahr war geprägt von der immer weiter fortschreitenden Entwicklung zur Weltstadt. Erstmals lebten hier mehr als zwei Millionen Menschen. Diese Zahl bezieht sich aber auf das heutige Gebiet von Berlin. Umliegende Städte wie Charlottenburg oder Köpenick hatten damals noch kein Interesse, sich der Reichshauptstadt anzuschließen. Stattdessen eröffneten sie eigene große und beeindruckende Rathäuser: Charlottenburg am 20. Mai 1905, Köpenick am 7. Oktober. Charlottenburg hatte sich als reichste Stadt in Preußen ein besonders großes Rathaus errichtet, mit einem 88 Meter hohen Turm. Dies gefiel Kaiser Wilhelm II. überhaupt nicht, da der Turm das Stadtschloss in Berlin um einiges überragte. Mit rund 70 Meter Breite steht es bis heute an der Otto-Suhr-Allee.
Was sonst noch geschah:
1. Januar 1905
Aufgrund eines königlichen Erlasses wurden die beiden Landgemeinden Weißensee und Neu-Weißensee zu einer einheitlichen Gemeinde zwangsvereinigt.
16. Februar 1905
Erlass einer neuen Droschkenordnung. Damit wurde die Anbringung von Fahrpreisanzeigern an Droschken I. Klasse zwangsweise eingeführt.
27. Februar 1905
Nach elf Jahren Bauzeit wurde der Berliner Dom am Lustgarten eingeweiht. Anwesend waren auch Kaiser Wilhelm II. und Kaiserin Auguste Viktoria.
1. Juni 1905
An der Strecke Jungfernheide – Spandau (später Siemensstadt – Fürstenbrunn) wurde der Bahnhof Fürstenbrunn eröffnet. Der Zugang erfolgte direkt vom Fürstenbrunner Weg aus. Das Empfangsgebäude befand sich an der Nordseite der Bahntrasse und wurde 1987 abgerissen.
9. Juli 1905
Bei einer Massenkundgebung der SPD in Berlin gegen die drohende Kriegsgefahr im Zusammenhang mit der Marokko-Krise demonstrierten rund 20.000 Teilnehmer die Verbundenheit des deutschen und des französischen Proletariats. Der französische Sozialistenführer Jean Jaurès, der an der Versammlung teilnehmen wollte, wurde durch ein Einreiseverbot daran gehindert.
30. September 1905
Eine Zählung ergab, dass es in Berlin 8.166 Droschken gab. Darunter bereits über 200 Motorwagen.
2. Oktober 1905
Um die Arbeiter des Kabelwerks Oberspree der AEG und des Wernerwerks von Siemens & Halske zu unterstützen, trat das Betriebspersonal der Berliner Elektricitäts-Werke in einen Sympathiestreik.
19. Oktober 1905
Einführung der monatlichen Stromzählerablesung. Parallel dazu begann der Austausch der bisherigen Aron-Pendelzähler gegen neue Wattstundenzähler.
9. November 1905
Max Reinhardt kaufte für 2.500.000 Mark von Adolph L’Arronge den gesamten Grundstückskomplex Schumannstraße 12 bis 16, inklusive dem Deutschen Theater. Dort war er bereits seit dem 19. Oktober 1905 Direktor.
19. November 1905
Erstmals fuhren in Berlin Kraftomnibusse. Die Wagen hatten 24 Sitzplätze und bedienten die Linie 4 auf der gesamten Länge der Friedrichstraße (Hallesches Tor – Chausseestraße). Sie kamen von der Daimler-Motor-Gesellschaft in Marienfelde und wurden tagsüber eingesetzt. In der Nacht fuhren weiterhin nur Pferdebusse.
1. Dezember 1905
In der Friedrichstraße wurden die bisherigen Gaslaternen durch eine elektrische Straßenbeleuchtung mit 94 Bogenlampen ersetzt. Es war die erste Anwendung dieser Lampenart in Berlin.
10. Dezember 1905
Robert Koch, der seit 25 Jahren in Berlin arbeitete, erhielt für seine Verdienste um die Tuberkulosebekämpfung den Nobelpreis für Medizin.

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