Dieses Jahr war bestimmt von Eröffnungen wichtiger Einrichtungen. Eine davon war das Strandbad Wannsee. Ein 200 Meter langer Streifen am Ostufer des Wannsees wurde als öffentliche Badestelle ausgewiesen und es gab eine behördliche Badeerlaubnis. Während der Eröffnung protestierten zahlreiche Bürger gegen diese „Unsittlichkeit“. Trotzdem erhielt das Freibad einen riesigen Zuspruch, nach vier Wochen hatten es bereits 220.000 Menschen besucht.
Um dem Massenansturm zu begegnen, wurde am 26. August der Berliner Freibäder-Verein gegründet. Er sollte für die nötige Ordnung im Freibad sorgen, da die Verhältnisse am Strand in kurzer Zeit chaotisch geworden waren. Und wie in Preußen nicht anders zu erwarten, war der erste Vorsitzende ein Mann vom Militär: Oberstleutnant a.D. Baron Adalbert von Arnim.
Was sonst noch geschah:
1. Januar 1907
Eröffnung des Schiller-Theaters in der Bismarckstraße in Charlottenburg.
25. Januar 1907
Im Arnim-Boitzenburgischen Palais am Pariser Platz wurde das neue Haus der Akademie der Künste mit einer internationalen Ausstellung von Werken ihrer Künstler eröffnet.
24. März 1907
Im Wedding wurde neben dem bereits bestehenden Männerasyl in der Wiesenstraße zusätzlich ein Frauenasyl in Betrieb genommen.
27. März 1907
Feierliche Eröffnung vom Kaufhaus des Westens (KaDeWe) am Wittenbergplatz. Kaufhausgründer war Adolf Jandorf, der Architekt Emil Schaudt. 20 Jahre später wurde das Haus in das Unternehmen Tietz eingegliedert.
1. April 1907
Im Rudolf-Virchow-Krankenhaus im Wedding wurde die erste Augenklinik Berlins eröffnet.
8. Mai 1907
Eröffnung des Freibads Wannsee.
25. Juni 1907
Zahlreiche Taxi-Unternehmer schlossen sich zusammen zum Verein der Kraftdroschkenbesitzer. Diese Vereinigung sollte die gewerbliche Vertretung der Mitglieder übernehmen sowie eine gemeinsame Haftpflichtversicherung.
26. Juni 1907
Auf dem Gelände des Omnibus-Betriebsbahnhofs Köpenicker Straße in Kreuzberg brach ein Großfeuer aus.
13. August 1907
In der Charlottenburger Hardenbergstraße wurde das neue Gebäude des Königlich Preußischen Oberverwaltungsgerichts eingeweiht. Von 1953 bis in die 1990er Jahre war es dann Sitz des Bundesverwaltungsgerichts.
16. August 1907
Da die Stadt schnell wuchs, wurden immer öfter Teile des Grunewalds bebaut. Eine Kabinettsorder von Kaiser Wilhelm II. besagte deshalb, „daß es nicht in der Absicht S. M. d. Kaisers liege, die Veräußerung des Hauptbestandteiles des Grunewalds als Baugelände zu genehmigen“.
28. September 1907
Die Physikerin Lise Meitner wurde Mitarbeiterin von Otto Hahn. Dazu war eine Ausnahmeregelung erforderlich, da zu dieser Zeit Frauen für eine Anstellung in der Berliner Universität noch nicht zugelassen wurden. 1926 wurde Meitner die erste Professorin für Physik in Deutschland.
10. Oktober 1907
Um die Mobilität der Magistratsmitglieder zu fördern, bewilligte die Stadtverordnetenversammlung die Anschaffung eines Automobils.
15. Oktober 1907
In der Zimmerstr. 90/91 wurde die Stadtbibliothek als Zentral- und öffentliche Leihbibliothek mit einem Lesesaal eröffnet. 1920 zog sie in das Marstallgebäude am Schlossplatz um.
23. Oktober 1907
In Anwesenheit von Kaiser Wilhelm zwo wurde das Hotel Adlon am Pariser Platz feierlich eröffnet.
25. November 1907
In der Pankstr. 32 im Wedding hob die Polizei ein Literaturlager der russischen Bolschewiki aus. Das vom russischen Sozialdemokraten Pjatnizki gemietete Lager war bereits längere Zeit observiert worden.
6. Dezember 1907
Seit vier Jahren forschte die Technische Hochschule in Charlottenburg bereits zur drahtlosen Telefonie. An diesem Tag wurde erstmal eine Verbindung von dort zum Kreuzberg übertragen, mit der Stimme des Tenors Enrico Caruso.
8. Dezember 1907
Inbetriebnahme der ersten elektrischen Straßenbahnlinie nach Französisch Buchholz.
Foto: Bundesarchiv, Bild 102-00654A
Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0

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